404 1840—1850.
dauert, daß sie zu wenig bemerkt worden seien. Aber Freytagverlor bei der Ausführung die Stetigkeit vielfach aus den Augen.Der historische Roman führt gar zu leicht dazu, gerade das Ab-sonderliche der Epochen zu betonen; und „die Ahnen" unterscheidensich hierin zu wenig von den eigentlichen kulturhistorischen Ge-mälden in Nomanform. Vor allem hat der Versuch, die Eigenartälterer Perioden auch durch eine Anpassung an ihre Redeweiseuns näher zu bringen, nicht bloß in „Jngo und Jngraban" zuschwer erträglicher Affektation geführt. Es gilt hier etwa, wasGottfried Keller einmal von Dialektstücken sagt: ein ordentlicherDichter müsse ein bayerisches Madl auch anschanlich machen können,ohne daß er es „moan" sagen läßt. Viele Schönheiten in denHauptstücken der Reihe „Jngo und Jngraban", „Die Brüder vomdeutschen Hause", „Markus König" leiden unter diesen und ähn-lichen Bedrückungen des Dichters durch den Gelehrten. Dem Dichterselbst aber fällt der arge Schluß zur Last, der so matt und freud-los die Heldcngeschichte in idyllisches Philistertum auslaufen läßt,als stände nicht auch heut noch für deutsche Heroen eine ruhm-beglänzte Laufbahn offen. Freilich entsprach das dem Besten inFreytags Natnr: feiner bürgerlichen Solidität, seiner Abneigunggegen allen lauten Prunk, wie die Schrift über den Kronprinzen sienochmals so nachdrücklich und so wirkungslos gepredigt hat; aberder treffliche Gedanke — derselbe, den Uhland in „Teils Tod" soschön durchführte — ist in der Ausführung erstickt. Dazu trug dannauch noch ein persönliches Moment bei: Freytags Scheu, man könneden letzten Ausläufer der Geschichte als auf seine eigene Verherr-lichung angelegt auffassen.
Den gleichen Geist der bescheidenen Sachlichkeit tragen auchdie „Erinnerungen aus meinem Leben" (1887). Auch sich selbstbenutzt der Dichter vor allem als ein Mittel zum Verständnis seinerZeit und deutscher Art — worunter er freilich, fast so einseitigwie Bischer die süddeutsche, eigentlich nur die norddeutsche Artversteht. Aber die bescheidensten Antobiographien sind nicht not-wendig die besten: und die behagliche Selbstgefälligkeit der Erinne-rungen Holteis macht die Lebensgeschichte eines Mannes vonkünstlerisch nnd moralisch weit geringerem Kaliber interessanter alsFreytags steife Objektivität die seine. Jene umständliche Ironiedes alten Herrn — „ich lnd den Kapitän zu einer Bowle eigenerErfindung, die er achten mußte" — entschädigt nicht für die Pedan-