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1840—1850.
charakteristischen Briefe den Text und meint, „Kellerchen" sei „trotzMoral und guter Lektüre aufm Weg in den tiefsten Kot". Dasgilt aber eigentlich für die ganze Zeit des Malerstudiums: daheimuud (1840—1842) in München . Sicher waren die Anregungenunschätzbar, die ihm in der deutschen Kunsthauptstadt zu teil wurden.Das sreudige Gewühl des berühmten, im „Grünen Heinrich" sofarbenprächtig geschilderten Dürerfestes (17. Februar und 2. März1840) zauberte ihm auch uoch in mündlichen und gedruckten Be-richten anderer — denn selbst konnte er es nicht mehr mitmachen —eine schöne bunte Welt von künstlerischer Einheit vor; Freunde,Mitbewerber, sogar Plagiatoren begleiten seine technischen Fort-schritte. Aber die tiefe Erniedrignng, in die ihn die Not, dasSchuldenwesen, die fortwährende Selbstverteidigung der daheimdarbenden Mutter gegenüber brachten, das alles drückte ihu so tiefherab, daß ein gewisser Bodensatz von Cynismus nur zu leichtspäter in kritischen Momenten wieder sichtbar wurde. Daheim ginges (1842—1848) nicht viel besser. Er empfand es bitter — wiePankraz der Schmoller —, daß die Arbeit von Mntter und Schwesterihn erhielt; dennoch konnte er sich zu einer ergiebigen Thätigkeitirgend welcher Art nicht aufraffen, weniger aus Hochmut, alsim Banne jener romantischen Traum- und Dämmerfreude. Ermachte Entwürfe, führte ein Tagebuch, in dein er die Schicksaleeines Ameisenhaufens so beachtenswert sand wie die der Trojaner;er schrieb auch in die Zeitungen.
Da machte ein äußerer Anlaß Epoche. Georg Herweghs undAuastasius Grüus Gedichte fielen dem emsigen Leser in die Händeund regten ihn um so tiefer auf, als ihre agitatorischen Klängean den Sonderbundskämpsen der Schweiz einen einheimischen Herdpolitischer Leidenschaft vorfanden. Hoffmann von Fallersleben half(Oktober 1844) auch diesen jungen Poeten, wie Freiligrath , in diepolitische Arena einführen; und die exilierten Dichter und Publi-zisten, vor allen das feindliche Brüderpaar Follen und Heinzen,nahmen ihn freudig auf. So erschien die erste Sammlung seinerGedichte (1846). Sie fanden im Moment leidliche Beachtung, un-gleiche Aufnahme; wie es denn auch in der That nichts weniger istals eine fleckenlose Perlenschnur.
Aber die Umgebung, in die er geraten war, so interessant siesein mochte, war pädagogisch wieder von zweifelhaftem Werte. Undeine neue Erfahrung ließ ihn das nur noch tiefer empfinden: eine