436 1840—18S0.
(im „Biberpelz") den Effekt nicht glaubte entbehren zu können,den der Name Julian im Munde einer feucht vom Waschzuberkommenden gewöhnlichen Frau, der Schwiegermutter von SalandersTöchtern, macht.
Goethe hat von sich selbst gesagt, daß er die Geschichte derBotanik in sich erlebt habe. Gottfried Keller hat ebenso die Ent-wickelung der Epik in sich durchgemacht. Im „Grünen Heinrich "liegt, wie in den frühesten „Romanen" des Abendlandes, eigentlichnur eine ungebundene Fülle von Abenteuern ausgeschüttet vor,durch die biographische Hauptfabel zum Teil nur lose zusammen-gehalten.— „Die Leute vou Seldwyln" zeigen einen Fortschrittin der epischen Geschlossenheit. Wohl ist die Form einer fortlaufen-den Erzählung aufgegeben; aber die einzelnen Glieder des Novellen-cyklus schließen sich durch ihre innere Übereinstimmung eng anein-ander. Diese Komvositionssorm ist typisch für eine bestimmteStufe in der Weltgeschichte des Romans: sie wird z. B. durchdie einzelnen „Tage" in Boccaccios „Decamerone " vertreten. Die„Sieben Legenden" sind durch das gleiche Kunstmittel zu einerEinheit verbunden; aber die Zahlenangabe steigert noch die Ge-schlossenheit. Sie liegen so niedlich nebeneinander, daß Keller dasBüchlein „ein kleines Zwischengericht, ein lächerliches Schälcheneingemachter Pflaumeu" tituliert. Die „Züricher Novellen "weisen eineu weiteren Schritt zur Konzentration auf: der ersteBand wird durch eine „Rahmenfabel" zusammengehalten, d. h.durch eine leichter behandelte Erzählung, in die die anderen ein-gebettet sind — wieder eine notwendige Entwickelungsstufe desRomans, deren berühmtester Vertreter die Märchensammlung„Tausend und eine Nacht" mit der Geschichte der Scheherazadeist. Mit größerer Strenge und selbständiger Bedeutung wird dieRahmenfabel im „Sinngedicht" durchgeführt; die Erzählungenselbst bilden hier gern Paare, besonders deutlich „Regine", dasMittel- und Hauptstück der Sammlung, und „Die arme Baronin",aber auch „Don Correa" und „Die Berlocken". So werden inindischen Novellensammlungen gern Geschichten von entgegengesetzterTendenz zusammengelegt. Endlich in „Martin Sal ander" istKeller zu der Form des eigentlichen Romans übergegangen: dieganze Geschichte bildet hier eine fortlaufende Entwickelung. DieseForm mag an sich die höchste sein; für Keller war doch wohldie frühere Erkenntnis zutreffend, daß „diese weitschichtige unab-