452 1840—1850.
wechselnden Tonfall menschlicher Rede und weiß ihn vernehmlichnachzuahmen. Das gilt selbst für untergeordnete Nebenfiguren.Zu seinen Lieblingen gehören die Gärtner, und zwar deshalb, weilsie seiner Ansicht nach einen besonderen ausgeprägten Berufscharakterhaben. „Er war eine typische Gärtnerfigur", heißt es in „L'Adultera ":„unfreundlich, grob und habsüchtig". Genau so wird Dörr in„Irrungen Wirrungen " geschildert; ganz so heißt es in „Unwieder-bringlich": „der Gärtner, ein Muffel, wie die meisten seinesZeichens". Aber die kurze Rede des letztgenannten Musfels könnteganz so, wie er sie hält, weder Dörr halten noch VandcrstratensGärtner. Suphan hat einmal hervorgehoben, wie Goethe Herderbesonders dadurch charakterisiert, daß er ihn in die Welt „lauschen"läßt; auch Fontane hört vielmehr in die Welt hinein, als daß erin sie sieht. Daher kann er jedem seine individuelle Rede geben:er hat die Figuren so bis ins kleinste „angehört", wie Keller dieseinen „angeschaut" hat. Mit dem Sehen nimmt er's dagegen nichtso genau und läßt es deshalb in ironischer Gewissenhaftigkeit auchgern unbestimmt, ob der Federhalter von Poggenpnhls Friederikeoben einen Adler hat: es konnte wohl anch eine Taube sein.
In dieser unvergleichlichen Sicherheit der Redeführung liegtnicht zum wenigsten Fontanes Erfolg. „Stine " erklärt einmal ihrerSchwester, was dem armen Grasen an ihr gefalle: „er hat Kame-raden und Vorgesetzte gehabt und hat gehört, wie seine Kameradenund seine Vorgesetzten sprechen; aber wie Menschen sprechen, dashat er nicht gehört, das weiß er nicht recht". Fontane könnte dasseinen meisten Mitbewerbern zurufen. Er weiß, wie Menschensprechen. Er braucht sich nicht des billigen Hilfsmittels der berufs-mäßigen Wortwahl zu bedienen, braucht nicht (wie noch Ibsen in der „Komödie der Liebe", oder Theodor Storm in „JohnRiew'") den Seemann in lanter Marineworten und den Buchhalterin lanter Comptoirwendungen reden zu lassen; er kann die gleichenWorte, ja (wie es öfter bei ihm vorkommt) die gleichen Sätze vonden Verschiedensten sprechen lassen, „denn die Accente machen's imLeben und in der Kunst". — Er übertreibt wohl zuweilen dieVirtuosität. Die Eigenheiten der Sprache werden zu spielendenArabesken wie die Nasenschnauzbartbinden bei Keller, und Redenwerden zu persönlichen Kunstwerken wie Züs Bünzlins Papptempel.Nötig ist es gewiß nicht, daß der alte General (in den „Poggen-pnhls") Don Manuel und Manfred verwechselt; aber es malt den