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derner Koloristen. Aber allerdings schließt das nicht aus, was wiranch gleich zugaben, daß diese feinen, kaum wiederzugebenden Nu-ancen sich von der Unterlage eines festen, persönlichen Stils ab-heben. Wenn einer, hat Fontane Stil; wenn irgendwo, ist bei ihmder Stil der Mensch.
Wie Otto Ludwigs Realismus, ist auch der Fontaues zunächstbewußte Opposition: Opposition gegen den falschen, alles hoch heraufstilisierenden akademischen Idealismus. Das Buch seiner persön-lichsten Bekenntnisse, „Unwiederbringlich", enthält sein intimstesDogma: „Was heißt großer Stil? Großer Stil heißt so viel, wievorbeigehen an allem, was die Menschen eigentlich interessiert."Das ist natürlich ein sehr subjektiver Ausspruch. Fontane hatnun einmal „keinen Sinn für Feierlichkeit"; von ihm gilt, was diekluge Prinzessin dem Baron Pentz — „er war ein Sechziger, un-verheiratet und natürlich Gourmand" — nachrühmt: sie habe nieeinen Menschen gesehen, der so wenig auf Stelzen ginge. UndFontane begann in einer Periode, wo alle Welt auf politischen,religiösen, moralischen Stelzen marschierte: Gutzkow und Redwitz ,Herwegh und Stahl. — Aber diese Auffassung ist doch keineswegsnur Opposition. Sie entspricht seiner Weltanschauung, der mildenSkepsis des „Großhumoristen" — so nennt er Walter Scott , „weiler persönlich groß und frei war". Der Humor hat eben, nachFontanes eigenen Worten, „das Darüberstehen, das heiter souveräneSpiel mit den Erscheinungen dieses Lebens zur Voraussetzung".Es giebt große Gestalten, und Fontane hat sie herzlich bewundert;es giebt große Momente, und er hat sie begeistert mitgemacht. Aberwas schließlich herrscht und die Weltgeschichte ausmacht — das sinddie Vielen, die Kleinen. Revolution, Krieg, Aufschwnng -—
Die Flut steigt bis an den AraratUnd es hilft keine Rettungslciter,Da bringt die Taube Zweig und Blatt —Uud es kribbelt und wibbelt weiter.
Massenprodukte sind wir allesamt, und deshalb ist selbst derGrößte schließlich nur „ein kleiner Mann in großen Stiefeln".„Mensch ist Mensch." Aber diese Massenprodukte sind eben, weilsie nnseresgleichen sind, uns lieb als Brüder; ihr alltäglichesSchicksal ist eben, weil es mit kleinen Änderungen anch das unsereist, Gegenstand unseres Mitgefühls. Und so geht Fontanes Welt-anschauung aus scheinbarer Verachtung der Menschheit in warme