äußere Gewalt erzwingt, sondern die stetige Macht der Verhält-nisse — das ist es, was diese beiden herrlichen Erzählungen durch-klingt. In „Jrrnngen Wirruugen" wird das Motiv ganz rein sogefaßt. Ein kräftiger, braver Offizier und ein hübsches, bravesMädchen lernen sich auf einer Landpartie kennen; unmerklich gleitensie in ein Verhältnis, bei dem sich Herz zum Herzen findet unddessen Lösung tiefen Schmerz hervorruft. Aber beiden ist imGrunde von Anfang an klar, daß dies das Ende fein wird. Dennsie wissen, daß die Welt stärker ist als der Einzelne und die vielenkleinen Momente mächtiger als der eine große. Sie wissen es,denn sie sind, wie ihr Dichter, entsagende Realisten. Sie schließennur erst die Augen, um das Ende nicht zu nahe zu sehen. Dannkommt das Scheiden; still, ruhig: „Sie lehnte sich an ihn undsagte ruhig und herzlich: ,Und das ist nun also das letzte Mal,daß ich deine Hand in meiner halte?"'
Auch in dieser stillen Größe, in dieser Seelenkenschheit, dieallen „Lärm in Gefühlen" vermeidet, liegt altgermanische Er-habenheit. So weiß unser altes Epos das Schwerste mit wenigenWorten auszudeuten. Auch Fontane , wie Keller, hat aus dem ge-heimen starken Quell der großen volkstümlichen Epik getrunken.
Wie in diesem Hauptpunkt, zeigt er auch in der Technik echteepische Art großen Stils. Was bei Jeremias Gotthelf die „Gängeüber Land", bei Gottfried Keller die Festversammlungen sind, dassind bei ihm die Landpartien: typische Höhepunkte der Handlung,mit einer gewissen homerischen Festlichkeit ausgestattet uud meisterlichin den Dienst der Charakterentwickelnng gestellt. Fontane wäre nichtder typische Berliner, wenn er nicht der Klassiker der Landpartiewäre. Sie ist ihm noch unentbehrlicher als der Reisebrief; undin „Irrungen Wirrungen " hat er in beiden sich selbst übertroffen.Die Landpartie wird bei ihm ein Losen der Götter um das Schicksalder Menschen; der Neisebrief nimmt die Bedeutung des altepischen„Botenberichts" an — beides nicht, indem er steife Würde herein-legte, sondern im Gegenteil, indem er die ganze Fülle menschlicherTragik und Lächerlichkeit in der anspruchslosesten Form uns vor-führt. So spielen sich die wirklichen Tragödien uud Lustspiele desLebens ab — indem wir das empfinden, erhalten jene fast spielendenepischen Eigenheiten das volle Gewicht, das die typischen Züge deralten Volksepen in sich tragen.
Die still entsagende Unterordnung unter die Welt ist das