470 1840—1350.
bis zur Sohle, Nachahmer fremder Kunst, der zu erneueu glaubt,wenn er vermischt, der zu schaffen meint, wenn er umstellt; Epigonein der künstlichen Bekleidung alten Stoffs mit neuem und nenenStoffs mit alten Behausungen, in dem Mangel an ästhetischemTakt, und nicht zum wenigsten auch in lärmendem Selbstrnhm.Nur zu leicht findet ein Epigone Beifall, der mit seiner Zeit ge-rade teilt, was sie unpoetisch macht: die klare Verständigkeit unddie kühle Formvirtuosität. Daß diese anspruchsvolle Unkunst voneiner Epoche beklatscht wurde, die für Otto Ludwig kaum ein Ohrhatte und für Eduard Mörike gar keinen Sinn, das wird denfünfziger und sechziger Jahren unseres Jahrhunderts einmal schwer-lich höher zum Ruhm gerechnet werden, als die Bewunderung KarlGutzkows .
Wilhelm Jordan ist (am 8. Februar 1819) zu Jnsterburg inOstpreußen geboren. Aus der Theologie ging er (wie sein Heldin den „Sebalds") zu den Naturwissenschaften über uud wirkte inDichtungen und Aufsätzen für seine politischen und socialen Ideale.Man verwies den „Umstürzler" aus Leipzig , wo er sich nieder-gelassen hatte; ein Sitz in der Panlskirche ehrte in ihm, wie in sovielen seiner Genossen, den politischen Märtyrer. Hier machte sichder eifrige Anhänger der Erbkaiserpartei sehr verdient. Gegen dieungesunde Polenromantik vertrat er, wie Gustav Freytag , den be-rechtigten nationalen Standpunkt der deutschen Interessen; sie kann-ten beide als Nachbarn der Polen zu gut die Gefahren einersentimentalen Slavenpolitik. Dann ward Jordan Sekretär desMarineansschusses, der die neue Flotte des Reiches zu versorgenhatte und für dies Symbol erst der Hoffnungen, dann der bitternEnttäuschungen unseres Volkes, was irgend möglich war, that.Seitdem blieb er in Frankfurt , soweit ihn nicht die öffentlicheRezitation seiner „Nibelungen" in Vortragsreisen über die Kultur-welt dreier Erdteile führte.
Jordan ist nicht nur, wie seine meisten Zeitgenossen, Übersetzer(Homers Odyssee 1875 und Jlias 1881; interessant besonders durchdie Anwendung deutscher Seemannsausdrücke. -» Die Edda 1889),sondern auch Kuusttheoretiker: über die Gesetze des Epos hat er(„Das Kunstgesetz Homers" 1869, „Epische Briefe" 1876) ausseiner praktischen Nhapsodenthätigkeit heraus manchen praktischenWink gegeben, während alle tiefer greifende Theorie bei ihm un-fruchtbar bleibt. Ist es nicht schon bezeichnend, daß ein Dichter