700 1870—1880.
quemen Manier der schwächeren Stücke Zschokkes abgefaßt; aberdie Geschichte von „Eros und Psyche in Himbach " wiegt mit ihremstillen Ernst und ihrer leisen Beleuchtung abgelegener „Provinzenim Seelenleben" manches Predigtbuch auf — und auch manchenBand moderner „eltcks ä'äms". Und der Geist selbständigenSuchens, wie er etwa in „Herr Echternacher", „Der Weiterschieber"oder der tiefsinnigen Anekdote „Der Zerstreute" umherleuchtet, wirdfreilich dem, der den Charakter höher schätzt als den Mann derParteischablone, lieber und werter sein, als die abgetragene Meinungder „Selbstgewissen" auch iu der eigenen Partei.
Ohne den religiösen Standpunkt dieser Männer zu teileu, stehtAdalbert Meinhardt (Marie Hirsch aus Hamburg ; geb. 1848)ihuen in der Gesamtstimmung nahe. Ein romantisches Unbehagenan der lauten, überhellen Gegenwart führt auch diese Schriftstellerindie Hand. Spät ist auch sie zur Produktion gekommen („Reise-novellen" 1835); aber auch sie glauben wir als ein Glied dieser, vonder Mitte des siebenten Jahrzehnts ausgehenden Gruppe ansprechenzu sollen. Der Kampf gegen den Pessimismus hat bei ihr eiueueigentümlich elegischen Zug; „das Leben ist golden" (1897) —aber doch nur für den, dessen starkes Jllusionsvermögen es sich sozu träumen vermag, bleiern, drückend selbst für den Edlen undTapferen, dem die Poesie der Seele versagt ist. Und wer selbst,von dieser erfüllt, zum Höchsten aussteigt, Ruhm, Dankbarkeit,Liebesglück erntet — dem kappt früh der Tod die Segel des stolzenLebensschiffes („Heinz Kirchner" 1893). Dies Bedürfnis nach derZeichnung glücklicher, helläugiger Träumer, das doch immer korrigiertwird von einem trüben Blick auf die Lebenswirklichkcit — es istfür die ganze Zeit so bezeichnend wie für die Verfasserin selbst. Ihrpeinlich sorgfältiger, zuweilen gezierter Stil, ihre Vorliebe für daseigentlich oder uneigentlich Märchenhafte, ihre stark moralisierendeTendenz lassen nicht minder in ihr den Spätling einer etwasälteren und schon beim ersten Auftreten leicht angealterten Schuleerkennen.
Mit kräftigeren Waffen gingen andere dem „neuen Geist" zuLeibe. Wir sahen, wie Eduard Grisebach (geb. 1845) in sich selbstden weltschenen Pessimismus überwand: durch starken Anteil an denGeschicken des Vaterlandes. Das ist eine typische Erscheinung. Diepolitische Tendenz erlöst wieder einmal von der ästhetischen Wclt-flncht. Eine patriotische Didaktik fühlt es als Verpflichtung, die