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Die deutsche Litteratur neunzehnten Jahrhunderts / Richard Moritz Meyer
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1880-1890.

mit der raffinierten Atmosphäre dekadenter Empfindungen einen ge-sucht rohen Kontrast. Und dann allerdings wirkt er abstoßend, wieseine Adah Baranowski:mit den Allüren der Leidenschaft, aberkalt, kalt wie ein Hundeschnäuzchen." Denn der Autor, durch denRiesenerfolg seiner Werke geschädigt, gewöhnte sich an, sich zu solchenScenen künstlich zu montieren, in einer Art von litterarischem Rausch(wie er bei Maria Janitschek die stete Praxis bildet) sich in solcheMomente auflodernder Sinnlichkeit, ausbrechender Brutalität, indenen die flackernden Flammen Sodom verzehren, hineinzusteuern.

Ursprünglich, wir wiederholen es, lagen diese Momente inseiner Art und seiner Technik begründet. Statt darüber hinaus zueinem starken persönlichen Stil zu kommen, verband er immer stil-loser realistische Grundlinien von großem Gepräge mit kleinlichnaturalistischer Ausführung weil er der Verlockung der kleinenEffekte nicht widerstehen konnte.

Sudermanns Technik war eine durchaus individuelle, und zu-gleich trug sie den Charakter desExperimentellen", den nun ein-mal diese Zeit ihren Söhnen aufzwingt. Gerade deshalb war sieso hoffnungsvoll. Wie Ibsen findet sich Sudermann eines Tageseinem Problem gegenüber, das er bezwingen muß. Dies Problemhat aber bei seiner viel ursprünglicheren Natur ein ausgesprochenpraktisches Aussehen. Bei dem Grübler Ibsen hat es etwa dieFormel: was wird, wenn die Kundmachung einer Wahrheit für einGemeinwesen schädlich ist (Volksfeind")? Bei Sudermann , der sichselbst so tapfer aus herber Bedrängnis heraufgefördert, und demFrau Sorge lange eine treue Begleiterin war: wie soll es einbraver Kerl machen, damit etwas, was einmal war, abgethan ist(Katzensteg"Es war")? Nun erwachsen ihni, wie dem großenDramatiker, aus dem Problem heraus lebende Figuren alle miteiner gewissen Familienähnlichkeit, aber doch aus der specifischenLage heraus differenziert. Und nun, im Gegensatz zu Ibsens Ob-jektivität, stellt sich der Verfasser als treuen Helfer, unsichtbar wiedie Göttin Athene , neben seinen Mann und kämpft mit ihm dieSache durch. Es wird ihm zur Wohlthat, einen frechen Kerl, derseinem Odysseus im Wege ist, niederzuboxen; es wird ihm zumBedürfnis, nach harter Arbeit mit dem siegreichen Ringer sich inLg-eevo et Vövers gütlich zu thuu. Die ganze Erregung desKampfes ist in ihm. Wie ein kämpfender Parteimann sieht erkeine Vermittelungen. Alles ist von der Stellung einer Person