ggg 1880—1890.
die Verbrechen und Fehltritte auf sentimental untergebreiteten weichenKissen sich malerisch dehnen. Leo kommt in wüster Trunkenheit ge-rade in die Weihnachtsbescherung; und wieder die Weihnachts-wünsche des armen verlassenen Kindes müssen die Sünde der Mutterwürzen. Die wohlfeile Tragik der Kinderthrünen beweist bei Suder-mann wie bei Wildenbruch einen gewissen Mangel an Vornehmheitin der Auswahl der Effekte. Wieviel keuscher noch schildert Dandetim „?st,it> Olioss" die Tragödie des Kinderherzens, in „^aek" frei-lich selbst zu sentimental!
So blieb ein großes Talent auf dem Wege von dem kleinenEffekt zu der großen Wirkung stecken. Die Zaubervögel singen inden Märchen verführerisch; wer aber auf sie hört, gelangt nicht indas Schloß. Die große Gesamtwirkung eines einheitlichen Kunst-werks hat Sudermann , erst unreif, dann gleich überreif, nicht er-reicht; am nächsten daran war er in „Frau Sorge". Hier stütztenihn kräftige Jugenderinnerungen. Aber was daraus hätte hervor-blühen können, haben die Erfolge des Dramatikers Sudermann —den ich lange nicht so hoch stellen kann wie den Erzähler — wohlfür immer verhagelt.
Der realistische Roman Sudermanns hat bessere Nachfolgegefunden als der naturalistische Bleibtreus und Conrads. Unterdem stark mitwirkenden Einfluß der unvergleichlichen französischenErzähler, Maupassants vor allen (während Zola der Lehrer derNaturalisten blieb), bildete sich eine Schule von kräftigen frischenErzählertalenten aus, wie wir sie seit den Tagen der Holtei undSmidt nicht besaßen. Eine gesunde, wenn auch nicht tiefgehendePsychologie, eine flotte Freude am raschen Vortrag, eine moderneWeltanschauung und vor allem kräftiger Hnmor zeichnen aber dieseneueren vor jenen älteren Epikern aus, denen der Humor selten,die realistische Psychologie nur bei Häuptern wie Alexis und Gotthelfeigen war. Ernst v. Wolzogen (geb. 1855) aus Breslau brachtedie schlesische Behaglichkeit in seine immer mit lebensvollen Charak-terzeichnungen einsetzenden, aber in der Führung der Handlung sästimmer verwahrlosten Romane („Die Entgleisten" 1893, .Loes1895), die er gern mit Porträts ausstattete („Der Kraft-Mayr" 1897). Georg v. Ompteda (geb. 1863) aus Hannover ,ein eifriger Schüler Maupassants („Unter uns Junggesellen" 1894),den er auch übersetzte, zeigte schon im humoristischen Roman („Diesieben Gernopp" 1895) eine ungewöhnliche Schärfe des beobachten-