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1880—1890.
Ibsen ein Däne aus Norwegen ist) der neuen realistischen Kunstund vor allem der Verjüngung der Erzählungstechnik einen fast sogroßen Dienst geleistet, wie der Autor von „Volksfeind" und„Wildente" der Auffrischung des Dramas. Bret Harte , der origi-nelle Amerikaner (geb. 1839 in Albany), hatte ihm vorgearbeitet; aberer konnte die fein berechnende Kunst Maupassants nicht geben.Und vor allem that unserer schleppenden oder überhasteten Er-zählung dies Beispiel not, wie man im kleinsten Punkt die größteKraft sammeln könne. Wir nannten schon eine ganze Reihedeutscher Schüler Maupassants. Der originellste ist noch übrig.
Otto Erich Hartleben (geb. 3. Juni 1864 in Klausthal) hat sichetwas eitel neben Maupassant gestellt, indem er seiner Gedichts-sammlung denselben gesucht-einfachen Titel gab wie jener: „MeineVerse" (1895). Aber er ist dem Vorbild wirklich innerlich ver-wandt. Wie Maupassant hat er sich durch eine anfänglich gekünstelte,allmählich ihm anwachsende Verachtung des Menschen und speciell des„Bourgeois" gegen eine zu leicht gereizte Sentimentalität wappnenmüssen. Wie Maupassant beschränkte er seine Liebe zu der realenWelt nicht auf das Platonische und erfuhr die Reaktion einer ge-wissen Weltverdrossenheit, die auch wohl als Weltschmerz auftritt.Wie Maupassant kennt er die Frau wesentlich nur von der anima-lischen Seite, behandelt sie dementsprechend gern ironisch und kannsie nicht entbehren.
Hartleben, den wir, wie Sudermann und Wolzogen , auch beidem ueueu Drama treffen werden — berühren sich doch Novelleund Drama so gern — hat seine dramatische Laufbahn charak-teristisch genug mit einer, nicht eben allzu witzigen, Parodie desvon ihm doch hoch verehrten Ibsen begonnen. Parodie als Not-wehr gegen übermächtige Einflüsse — das ist das Hauptrezeptseiner Kunst geblieben. Als Lyriker ist er nicht sehr originell, aberäußerst sicher und gewandt in der Form, so daß er sich (wie inder „Rückkehr zur Natur") das Gewagteste an elegant vorgetragenemCynismus gestalten darf. Die ruhige und ernste Form der biblischenGeschichte vom levitischen Mann steht ihm so gut zu Gebote, wiedie heiße, sinnliche Leidenschaft der Sappho ; — ein Mann also, dersich allzuleicht allen Eindrücken und Stilen leiht. Da setzt er dieSelbstironie als Stempel der Eigenart darauf, indem er höchstbewegte Liebesgedichte „Prosa der Liebe" überschreibt und den Tonder Römischen Elegien auf diese Weise mit dem realistischen Inhalt in