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Die deutsche Litteratur neunzehnten Jahrhunderts / Richard Moritz Meyer
Entstehung
Seite
828
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82g 18801890.

Tiberius" (1884) verehrten ja doch auch Julius Hart und LeoBerg die epigonenhafte Bildungspoesie des Grafen Schack undjenes byronisierendePromethidenlos"; er stellte eine Gedichtsamm-lungDas buute Buch" zusammen, aus der Schlenther nebenReminiscenzen aus Heine und Goethe böse Verse von Hauptmanns eigener Mache mitteilt; er rückte dnrch den Plan eines autobio-graphischen Romans (seit 1888, wo er mit Karl Hauptmann beiAvenarius in Zürich studiert hatte) dem Realismus seiner späterenWerke näher. In Berlin und in Niederschönhausen lernte erendlich (1889) auch Arno Holz kennen, und der Spiritus reerordesPapa Hamlet" gab seiner nach Produktion lechzenden Naturendlich den bestimmenden Anstoß.Der Säemann" wurde geschrieben,von Holz jubelnd begrüßt undVor Sonnenaufgang " umgetauft,von Theodor Fontane , der eben zur Unterstützung der neuen KunstgegründetenFreien Bühne " empfohlen und von dieser derenLeiter Brahm Fontane antworten konnte, er habe das Stück schonvorher angenommen zur Aufführung gebracht. Seitdem war Haupt-mann ein berühmter Mauu und der anerkannte Führer der rea-listischen Litteratur in Deutschland. Er lebt seitdem in Berlin oderin seinem schlesischen Landhaus und sein charakteristisch durchgear-beiteter Kopf dessen Zeitlosigkeit an die in Bezug auf das Altergleich unbestimmbaren von Wilamowitz und Stefan George erinnert mit den klugen ernsten Augen gehört zu denen, die jeder Theater-besucher tuschelnd dem fremden Gast zeigt.

DasPromethidenlos" (1885) ist noch ganz erfüllt von demunklaren Idealismus eines unreifen Jünglings. Schlenther hatetwas reichlich darin Vordeutungen späterer Werke gesucht; undklar genug spricht sich wenigstens schon hier des Dichters Sympathiemit den Unglücklichen aus mit denen zumal, die das Eleudins Laster gestoßen hat. Aber der scharfe Wirklichkeitssinn desspäteren Dramatikers ist in den romantisch nebelhaften Allegorienund Veduten dieser Byroniade nirgends zu entdecken. Ein starkerEhrgeiz begegnet sich mit einem leidenschaftlichen Idealismus, dersich uoch geru allüblicher Tiraden bedient. Aber eins hat das un-reife Jugendstück schon vor vielen voraus:er glaubt beimZeus, er glaubt an seine Lieder"! Wie die um Arent undBleibtren konnte auch er aus der Tiefe seines dichterischen Mit-erlebens heraus die anfeinden, denen alle Kunst ein bloßes Spielgeworden war.