Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
Seite
20
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AN DEN REICHSKANZLER VON BETHMANN HOLLWEG

London , 15. 7. 1913

B ei der heutigen Sitzung wurde, wie gemeldet, dervon meinem österreich-ungarischen und italieni-ndschen Kollegen im Einverständnisse mit ihren Re-gierungen und teilweiser Mitwirkung Sir EdwardGreys verfaßte Entwurf einer Regelung der wichtig-sten, die künftige Verfassung Albaniens betreffendenFragen unterbreitet und eingehend besprochen. In derAnlage beehre ich mich, den Entwurf abschriftlichbeizufügen.

Die ersten vier Absätze wurden widerspruchslosangenommen.

Zu Absatz 5 bemerkte Graf Benckendorff , vonHerrn Cambon unterstützt, daß er eine Bestimmungvermisse, die den Fortbestand der europäischen Auf-sicht gewährleiste. Für ihre Regierungen sei geradedie internationale Kontrolle, die verhindern solle, daßAlbanien unter den ausschließlichen Einfluß einesoder des andern fremden Staates gelange, eine Vor-aussetzung gewesen für die Zustimmung zum Verzichtauf die Oberhoheit des Sultans. Auch sei sie von An-fang an vorgesehen gewesen, und ihre Regierungenwürden keinem Entwürfe ihre Zustimmung erteilen,der nicht hinsichtlich des Fortbestandes der Oberauf-sicht aller Mächte bindende Zusicherungen enthalte.

Am weitesten ging Herr Cambon, der erklärte,man habe der Einsetzung eines Fürsten nur unter derVoraussetzung zugestimmt, daß die Gesamtheit derMächte gewissermaßen die Oberhoheit des Landesbilden werde. An Stelle des Sultans treten nunmehrdie Mächte. Er stellt sich die Commission de contröleals die eigentliche Regierung des Landes vor, der dieOberleitung und das Aufsichtsrecht sowohl über dieFinanzen wie über die Verwaltung zusteht, und die