D as am 20. Oktober in London paraphierte deutsch-englische Abkommen über die portugiesischenKolonien, welches Eure Exzellenz mir zur ganz ver-traulichen Kenntnisnahme mitzuteilcn die Geneigtheithatten, ist in seiner nunmehrigen endgültigen Formein Vertragsinstrument, dessen weittragende Be-deutung und erhebliche dem Deutschen Reiche ge-sicherte Vorteile für jeden einigermaßen politisch Ge-schulten auf den ersten Blick erkennbar sind. Werauf die oft unerfreulichen Beziehungen der letzten12 Jahre zwischen Deutschland und England zurück-blickt und der mannigfachen Enttäuschungen gedenkt,die unsere Bestrebungen nach expansiver wirtschaft-lich-politischer Betätigung erfahren mußten, wird ge-radezu überrascht sein, daß das endliche Ergebnisder langen Verhandlungen ein für uns so günstiges ge-worden ist. Dieser Eindruck wird noch bestätigt undverstärkt, wenn man das Abkommen einer genauerenPrüfung und einer Vergleichung mit dem Abkommendes Jahres 1898 unterzieht. Eine solche Vergleichungder beiden Abkommen muß, der Natur der Sachenach, nach zwei Richtungen erfolgen, der der Ver-teilung der Interessensphären und der Realisierbar-keit. Der Verlust der portugiesischen Hälfte der InselTimor — deren Gewinn für uns übrigens immer schonmehr als problematisch war — und des Streifens amlinken Sambesiufer wird meiner Ansicht nach mehrals reichlich aufgewogen durch den Gewinn des mitt-leren Angola und durch das englische Desinteresse-ment an Säo Thome und Principe, den beiden Inseln,die wohl den wertvollsten Teil des ganzen portu-giesischen Kolonialbesitzes ausmachen. Was wir inAfrika aufgeben, das wirtschaftlich von Engländern
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