beiderseitigen Bedürfnissen und Interessen so sehrRechnung, daß beide Teile das Gefühl haben müssen,ein günstiges Geschäft gemacht zu haben. Es ist nichtzu befürchten, daß, wie bei anderen Auseinander-setzungen in älterer und neuerer Zeit, bei dem einenein Stachel zurückbleibt. Vielmehr kann man zuver-sichtlich erwarten, daß die Bekanntgabe desAbkommens zu einer dauernden Ver-besserung der deutsch -englischen Be-ziehugen wesentlich beitragen wird.
Soweit sich von hier aus beobachten läßt, liegenauch keine Anzeichen dafür vor, daß andere Mächte,beispielsweise Frankreich, der deutsch -englischenVerständigung gegenüber eine feindliche Haltung an-zunehmen gedenken. Infolge einiger Indiskretionender Presse ist naturgemäß die Wißbegierde meinerKollegen stark gesteigert, indessen äußert sich diesebisher nicht in Formen, die auf eine bedenkliche Auf-regung ihrer Regierungen schließen lassen, und esfällt mir nicht schwer, die nur schüchternen Anfragenohne Unfreundlichkeit abzuweisen.
Was schließlich den leitenden Teil, Portugal selbstbetrifft, so ist der Augenblick des Bekanntwerdensdes Abkommens ein verhältnismäßig günstiger. DasLand ist durch Parteikämpfe und innere Ver-schwörungen so sehr in Anspruch genommen, daß diedem Kolonialbesitz drohende Gefahr bis jetzt nicht dieErregung verursacht, die man sonst hätte erwartenmüssen. In der hiesigen Presse erscheinen nicht ein-mal täglich Artikel, die sich mit der Kolonialfrage be-schäftigen, und auch diese wenigen Artikel besprechensie nur in einem ruhigen, mehr oder weniger resig-nierten Tone, indem sie die Regierung auffordern,dieser wichtigen Angelegenheit ihre volle Aufmerk-samkeit zu widmen, ohne aber positive Vorschläge