Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
Seite
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zur Abwendung der Gefahr zu bringen. Bei dem Be-kanntwerden des Textes des Abkommens müssen wirfreilich mit einer gesteigerten Erregung der öffent-lichen Meinung rechnen. Aber auch diese wird, beiden bevorstehenden heftigen Kämpfen nach Eröffnungder Kammern, wohl kaum so nachhaltig sein, wie esin normalen Zeiten der Fall sein würde. Rosen.

AN DEN REICHSKANZLER VON BETHMANN HOLLWEG

London , 15. 12. 1913

B ei meinem heutigen Besuche bei Sir Edward Grey brachte ich die Unterhaltung auch auf das portu-giesische geheime Abkommen. Ich erwähnte, daß nachgewissen uns zugegangenen Nachrichten hier die Ab-sicht zu bestehen schiene, gleichzeitig mit unseremVertrag auch den sogenannten Windsor-Vertrag zu ver-öffentlichen. Uns sei der Inhalt unbekannt. Falls der-selbe aber etwa einen Paragraphen enthielte, durchwelchen England den gesamten portugiesischen Besitz-stand aufrechtzuerhalten sich verpflichte, so würdedie Veröffentlichung unseres Vertrages den gewünsch-ten Erfolg, den Beweis eines guten Einvernehmenszwischen beiden Regierungen auch auf kolonial-politischem Gebiete zu erbringen, in keiner Weise er-reichen. Unsere öffentliche Meinung würde im Gegen-teil gegen die Kaiserliche Regierung den Vorwurf er-heben, daß sie sich habe aufs Glatteis führen lassen,und gegen England , daß es mit uns nicht aufrichtigverfahren sei.

Sir Edward Grey entgegnete, daß der neue Vertragnichts weiter enthalte, als eine Bekräftigung des alten,in welchem allerdings von einem Schutze des por-tugiesischen Besitzstandes die Rede sei. Dem wieder-holten Drängen der portugiesischen Regierung, den

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