1. daß Sir E. Grey die Veröffentlichung beiderVerträge auf ganz unbestimmte Zeit vertagt und niedaran gedacht hat, ohne unsere Zustimmung irgendetwas zu veröffentlichen, und
2. daß er nur beide Verträge, nicht aber einen
allein, veröffentlichen will, daß daher auch die Ver-öffentlichung des Windsor-Vertrags solange unter-bleibt wie die des unseren. Sollte aber unserer spätereinmal auf Grund beiderseitigen Einvernehmens ver-öffentlicht werden, so wird dies nur unter gleich-zeitiger Bekanntgabe des Windsor-Vertrags ge-schehen können. Lichnowsky.
AN DEN REICHSKANZLER VON BETHMANN HOLLWEG
I ch hatte heute Gelegenheit, Sir Edward Grey vorseiner morgigen Abreise zu sprechen. Der Ministerwollte eigentlich schon gestern verreisen, da jetzt dergegebene Augenblick für den Angelsport gekommenist und außerdem die parlamentarischen Osterferienvor der Tür stehen, sah sich aber genötigt, seine Ab-reise um einige Tage mit Rücksicht auf die parlamen-tarische Geschäftslage zu verschieben. Er dürftevoraussichtlich kurz nach Ostern nach London zurück-kehren.
Ich sagte ihm, ich sei gekommen, um ihn zu fragen,ob er Bedenken trüge, unsern bisher nur paraphiertenGeheimvertrag nunmehr auch zu unterschreiben. Ichwürde es lebhaft bedauern, wenn nach soviel beider-seitiger Mühe und Arbeit das Werk, welches seinemAbschluß so nahe sei, nicht zur Vollendung gelange.Das bisherige Ergebnis gewähre zwar eine moralische,nicht aber eine rechtliche Sicherheit, und es schienemir nicht erwünscht, diesen Zustand anstehen und den
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