Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
Seite
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Wechselfällen der Politik ausgesetzt sein zu lassen.Ich ließ hierbei mit einfließen, daß wir uns zwar dar-über geeinigt hätten, die Veröffentlichung der Verträgevorläufig zurückzustellen, daß ich aber dennochglaubte, daß sich vielleicht in der Zukunft ein fürbeide Teile gangbarer Weg, der zur Lösung dieserFrage führe, werde finden lassen, falls die Frage derVeröffentlichung hindernd im Wege stehen sollte.

Sir Edward Grey erwiderte, daßernichtinderLage sei, den Vertrag zu unterzeichnen,fallsdersclbenichtveröffentlichtwerde.Er habe wiederholt öffentlich erklärt, daß er keineneuen geheimen Abmachungen einzugehen gewilltsei, und es sei ihm daher unmöglich, einen ge-heimen Vertrag abzuschließen. Er habe nicht nurdurch mich, sondern in noch weit stärkeren Aus-drücken durch die Vermittlung Sir E. Goschens*)vom Herrn Staatssekretär selbst erfahren, welcheverhängnisvollen Wirkungen das Bekanntwerdendes Windsor- Vertrages bei unserer öffentlichenMeinung hervorrufen würde, und nichts läge ihmferner, als eine Trübung unserer Beziehungen her-beiführen zu wollen. Er wiederholte, was er mirschon bei unserer letzten Unterredung gesagt, daßder Hauptzweck, den er bei der Neuregelung unseresVertrages im Auge gehabt hätte, die Besserung unsererBeziehungen gewesen sei, welche damals nicht die er-freuliche heutige Temperatur hätten aufweisen können.Wenn also, wie er erfahre, unsere öffentliche Meinung andem Windsor-Vertrag Anstoß nehmen würde, so würdeder ganze Zweck verfehlt sein. Es sei ihm aber ausbekannten Gründen unmöglich, den portugiesischenVertrag nicht zu veröffentlichen, falls der unsrige dasLicht der Welt erblicke. Würde unterschrieben, so

*) Britischer Botschafter in Berlin.

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