Sir Edward beschränkte sich darauf, mir mit Nach-druck zu wiederholen, daß er unsere Bedenkengegen die Veröffentlichung vollkommenwürdige, daß aber damit natürlich auchdie Unterzeichnung des Vertrages zuFalle komme. Im übrigen nahm er meine An-regungen in gewohnter freundschaftlicher Stimmungentgegen, meinte jedoch, er müsse die Angelegenheitmit dem Prime Minister besprechen; vorläufig könneer mir keine bestimmte Antwort geben. Ich betonteschließlich nochmals, daß ich hoffte, wir würden überden Zeitpunkt der Veröffentlichung zu einer Einigunggelangen, da wir grundsätzlich nicht gegen die Ver-öffentlichung wären, sie nur vorläufig für unzweck-mäßig gehalten hätten.
Mein Gesamteindruck war, daß er nur ungern andie ganze Sache wieder herantritt, da er sich wohlden Franzosen gegenüber schon verpflichtet und an-scheinend im Kabinett erklärt hat, daß er teils ausRücksicht auf unseren Widerstand gegen die Veröffent-lichung, teils wegen französischer Empfindlichkeitenden Vertrag habe fallen lassen. Wenigstens bin ichvon verschiedenen Mitgliedern der Regierung, dieallerdings hierbei die französischen Wünsche nicht er-wähnten, in diesem Sinne angeredet worden.
Lichnowsky.
DER STAATSSEKRETÄR DES AUSWÄRTIGEN AMTES VONJAGOW AN DEN BOTSCHAFTER IN LONDON FÜRSTEN VON LICHNOWSKY Berlin, 4. 4. 1914
E w. pp. darf ich bitten, die Frage der Vertrags-unterzeichnung einstweilen ruhen zu lassen undjedenfalls von sich aus vorläufig nicht darauf zurück-zukommen. Wir stehen auf dem Standpunkt, daß ein
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