paraphierter Vertrag zum mindesten eine moralischeBindung bedeutet, und daß auch der alte Vertrag von1898 uns die Wahrnehmung unserer Interessen in demportugiesischen Kolonialbesitz ermöglicht.
Sollte Sir. E. Grey die Angelegenheit erneut an-regen, so bitte ich als allgemeine Richtlinie fest-halten zu wollen, daß eine Veröffentlichung überhauptnicht in Frage kommen kann, solange unser Reichstagversammelt ist. Ich glaube die Verantwortung hierfürnicht übernehmen zu können. Was aber die Veröffent-lichung unserer Abmachungen mit England betrifft, sowürde eine solche, bevor ein positives Ergebnisunserer Expedition nach Angola vorliegt, den Erfolgeines mit einem unendlichen Aufwand von Mühe undArbeit eingeleiteten Unternehmens in Frage stellen,das den ersten Schritt zur Verwirklichung unsererAbsichten bedeuten würde. Wir würden es dahergegebenenfalls vorziehen, die Sache auf sich beruhenzu lassen und uns mit dem paraphierten Abkommenzu begnügen.
Ich teile durchaus die Ansicht Ew. pp., daß für dieHaltung Sir E. Greys die Rücksicht auf Frankreich wesentlich mitbestimmend ist. Ich frage mich, ob wirder entstandenen Schwierigkeiten etwa dadurch Herrwerden können, daß wir der englischen Regierungunsere Bereitwilligkeit zu erkennen geben, gegenanderweitige Kompensationen auf Säo Thome undPrincipe zu verzichten. Ich darf Sie bitten, mireventuell nach vorsichtiger Sondierung an maß-gebender Stelle, Ihre Ansicht hierüber mitteilen zu
wollen - Jagow.
9 Lichnowsky II
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