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2 (1927)
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DER STAATSSEKRETÄR DES AUSWÄRTIGEN AMTES VONJAGOW AN DEN BOTSCHAFTER IN LONDON FÜRSTEN VON LICHNOWSKY Berlin, 17. 4. 1914

U nter Bezugnahme auf Erlaß Nr. 554 vom4. dieses Monats.

Sir E. Goschen sagte mir heute, daß es ihm ge-lungen sei, Sir E. Grey von Untunlichkeit Veröffent-lichung Windsor-Vertrags zu überzeugen, und las mirBrief des Ministers vor, der Meldungen Eurer Durch-laucht bestätigte.

Ich habe dem Botschafter erklärt, daß wir zeitlichgetrennten Veröffentlichung von Windsor-und Angola -Vertrag aus Entgegenkommen gegen Sir E. Grey zwarangeboten hätten, dagegen gänzliche Nichtveröffent-lichung vorzögen und paraphierten Vertrag als Ob-ligation morale ansähen. Ich hoffte, daß der Zeitpunktkommen werde, wo wir in unserer portugiesischenInteressensphäre genügend Fuß gefaßt hätten, undunsererseits England Veröffentlichung vorzuschlagen.

Ich sehe Angelegenheit hiermit defini-tiv als geregelt an und bitte, von jedemweiteren Schritt abzusehen. Tort«

AN DEN REICHSKANZLER VON BETHMANN HOLLWEG

London , 23. 5. 1914

M r. Harcourt war gestern abend unser Gast, undbenutzte ich die Gelegenheit, um nach Tischmit ihm die Frage des Kolonialvertrages vertraulichzu besprechen. Ich hob zunächst hervor, daß wirdurch die erfolgte Paraphierung uns sowohl wie die briti-sche Regierung für moralisch gebunden betrachteten,und daß wir daher keineswegs zugeben wollten, daß

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