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2 (1927)
Entstehung
Seite
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könnten, bei einem etwaigen Konflikt zwischenDeutschland und Portugal sich, trotz des Abkommens,auf die Seite Portugals zu stellen. Auch dies ist nichtanzunehmen. Von den Mächten, die in Südwesteuropaund in Afrika interessiert sind, nämlich Frankreich und Spanien , steht das letztere der portugiesischenRepublik geradezu feindlich gegenüber und würde Er-eignisse mit Freude begrüßen, welche geeignetscheinen, das republikanische Regiment in Portugal zu erschüttern. Daß auf der anderen Seite Frankreich jeder deutschen Machterweiterung und auch jederdeutsch -englischen Annäherung mißgünstig gegen-übersteht, ist sicher. Indessen hat die englische Re-gierung schon jetzt mehrfach bewiesen, daß sie gegen-über den Einsprüchen Frankreichs gegen das Ab-kommen mit uns festzubleiben entschlossen ist. Ziehtman alle diese Erwägungen in Rücksicht so liegt keinGrund zu der Befürchtung vor, daß England sich alsSchutzwehr der portugiesischen Kolonialmacht gegenuns aufwerfen und das Risiko eines dann unvermeid-lichen Konfliktes mit Deutschland Portugal zuliebe aufsich nehmen würde.

Wir kommen jetzt zu der Frage, welche Wirkungeine eventuelle Bekanntgabe des Abkommens voraus-sichtlich auf Portugal selbst ausüben würde. Die ersteWirkung würde zweifellos die einer großen Bestür-zung sein. Portugal würde sich von seinem altenBundesgenossen verraten und beraubt sehen. Es istmöglich, daß die Beunruhigung so weit ginge, daß da-durch die republikanische Staatsform erschüttertwürde. In jedem Falle müssen wir uns auf einen Ent-rüstungssturm gefaßt machen und auch darauf, daßsich dieser Sturm mehr gegen Deutschland als gegendas ungetreue England wenden würde. Eine solcheBewegung wird vielleicht heftig, aber sicher nicht von

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