Dauer sein, wenn die beiden Großmächte ihr mit einerKaltblütigkeit entgegentreten. Ihr wird zweifellos einGefühl der Resignation in das unvermeidliche Schick-sal der Kolonien folgen, ein Gefühl, das schon jetzt inweiten Kreisen der politisch Denkenden bemerkbarist. Man wird sich sagen, daß es besser ist, den wirt-schaftlichen Ausdehnungsbestrebungen der beidengroßen Kolonialnachbarn freien Spielraum zu lassen,als Konflikte mit ihnen heraufzubeschwören, die nachBekanntwerden des Abkommens bei einer Verweige-rung von Konzessionen unvermeidlich scheinenwürden. Man würde bei jeder zu erteilenden Kon-zession einen mehr oder weniger ernstgemeintenVorbehalt bezüglich der portugiesischen Hoheitsrechtemachen und mit den hierauf erlangten Erklärungender beiden Regierungen die öffentliche Meinung imLande zu beruhigen trachten. — Ganz anders aberwürde eine Fortdauer des jetzigen Zustandes wirken.Schon jetzt macht sich in Portugal die Tendenz be-merkbar, 1. in dem vermuteten deutschen Interessen-gebiet möglichst viele und bedeutende englische Unter-nehmungen zu konzessionieren; 2. in demselben Ge-biet alle bereits begonnenen Unternehmungen auf„internationale“, das heißt wohl auf französischefinanzielle Grundlage zu stellen. Gelänge dies, sowürden wir mit dem Abkommen gerade das Gegenteildessen erreicht haben, was wir anstreben, wir würdenein großes und aussichtsreiches Absatzgebiet für unsereIndustrie verlieren, statt es zu gewinnen. Es kommtnoch hinzu, daß erfahrungsgemäß englische Unter-nehmer sich scheuen, sich in Gebieten zu betätigen,die nicht englisch sind oder dem englischen Einflußunterliegen.
Wenn es nach diesen Ausführungen kaum zweifel-haft erscheinen kann, daß die Realisierung des Ab-
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