Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
Seite
138
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kommens durch seine Unterzeichnung und Bekannt-gabe nur gefördert werden würde, so bleibt doch diewichtige Seite der Frage zu untersuchen, welche Wir-kung eine solche Veröffentlichung aller Voraussichtnach auf die öffentliche Meinung Deutschlands ausüben würde. Hier ist von vornherein zuzugeben,daß der Eindruck des Windsor-Vertrages, der nach sokurzer Zeit dem Abkommen vom Jahre 1898 folgteund anscheinend sein Gegenteil besagte, nur ungünstigerscheinen kann. Man wird darin, wie bereits obenangedeutet, einen Beweis für die Unzuverlässigkeitder britischen Politik erblicken, die es fertig brachte,innerhalb eines Jahres zwei einander widersprechendeVerträge abzuschließen. Man wird daraus den Schlußziehen können, daß auch das jetzige Abkommen füruns wertlos sein würde. Man könnte sogar in gewissenLagern der Regierung den Vorwurf machen, als hättesie sich trotz aller gemachten Erfahrungen düpierenlassen. Man könnte auch in seinen Befürchtungennoch weitergehen und annehmen, daß die zartePflanze der deutsch -englischen Verständigung durchden Sturm einer durch die deutschen Zeitungengehenden Entrüstung vielleicht vernichtet werdenwürde. Solchen Eventualitäten gegenüber müßte esnatürlich ratsam erscheinen, das Abkommen lieber inseinem gegenwärtigen halbfertigen Zustande zu be-lassen, als es durch Veröffentlichung des DargelegtenGefahren auszusetzen.

Es würde leichtfertig sein, diese Gefahren, welchetief in unseren parlamentarischen Verhältnissenwurzeln, zu gering einzuschätzen. Auf der anderenSeite aber würde es ein nicht minder großer Fehlersein, sie höher anzuschlagen, als sie es tatsächlichverdienen. Es läßt sich ja auch durch geeignete Vor-arbeit bei den Parteien und namentlich bei der Presse