Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
Seite
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auf eine richtige Beurteilung der Bedeutung des Ab-kommens hinwirken, ohne daß es dabei nötig wäre,den Inhalt desselben vorzeitig zu verraten. Es müßtevor allen Dingen in einer Reihe von Zeitungsartikelngezeigt werden, wie ganz anders die Verhältnisse vor14 Jahren lagen als heute. Die Vorgänge jener Zeitliegen noch nicht so weit zurück, als daß der deutsche Zeitungsleser diesen Unterschied nicht verstehensollte. Dem Abschluß des Abkommens vom30. August 1898 folgte auf dem Fuße der drohendeAusbruch des Südafrikanischen Krieges, in welchembekanntlich die Stimmung in Deutschland den Eng-ländern im höchsten Grade feindlich war. Die Be-schlagnahme deutscher Postdampfer und so mancheandere Zwischenfälle verbitterten noch die Stimmungzwischen den beiden Ländern. Der ungünstige Verlaufdes Burenkrieges zwang die Engländer, die Dienstedes portugiesischen Bundesgenossen in Anspruch zunehmen. Der Krieg konnte nicht zum glücklichenEnde geführt werden, wenn nicht Portugal den Trans-port englischer Truppen von Lourencjo Marques nachdem nördlichen Transvaal gestattet und erleichterthätte. Hierin lag jedoch ein augenscheinlicher Bruchder Neutralität, für dessen Folgen sich Portugal ent-sprechende Garantien ausbedingen mußte, um gegenAngriffen derjenigen Mächte geschützt zu sein, welchedamals England feindlich gegenüberzustehen schie-nen. Es lag vom portugiesischen Standpunkte ge-sehen damals durchaus im Bereich der Möglichkeit,daß zwischen Deutschland und England sich ein Kon-flikt zuspitzte, wobei Deutschland leicht in Mosam-bique oder auch in Angola einfallen und portugie-sisches Gebiet besetzen konnte. Rechnet man hierzudie ganze Menge persönlicher Mißverständnisse undVerstimmungen zu beiden Seiten der Nordsee , so läßt

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