oder daß keine Abmachung bestände, womit dann dieGrundlage für das gemeinsame Vorgehen der beidenRegierungen wieder entfiele. Ich glaube daher inmeinen Befürchtungen nicht fehlzugehen, daß dasenglische Kabinett — das jetzige und noch mehr einkünftiges — es ablehnen müßte, einen derartigen, aufVerwirklichung des nichtunterzeichneten Abkommenszielenden Schritt zu tun. In diesem Falle wäre danndas ganze Abkommen hinfällig und zwecklos, und diebei einem solchen Vorkommnis unvermeidliche Ver-stimmung würde die von uns so sorgsam gehegteBesserung der Beziehungen weit ernstlicher gefährdenals der Lärm, dem im vorhin gedachten Falle einigeunverantwortliche Zeitungen und Parlamentarier mög-licherweise erheben könnten.
Diesen Einwänden könnte noch allenfalls mit demHinweis begegnet werden, daß auf alle Fälle das ersteAbkommen noch in Kraft sei, solange das zweite nichtals perfekt anzusehen ist. Dieses ist aber ein Argu-ment, dem kaum ernst genug entgegengetretenwerden kann. Die ganze Voraussetzung für die Nicht -unterzeichnung des neuen Abkommens ist ja die, daßdas erste Abkommen durch den Windsor-Vertrag hin-fällig geworden wäre. Außerdem aber ist in dem Ab-kommen vom Jahre 1898 die Verteilung der Inter-essensphären, namentlich in Westafrika , eine derartigverschiedene, daß seine Anwendung auf die jetzigeLage zu bedeutender Verwirrung Anlaß geben müßte,vorausgesetzt, daß es, wie gesagt, überhaupt noch an-wendbar erscheint.
Hierzu kommt noch eine andere, auch mit Hinblickauf unsere öffentliche Meinung sehr beachtenswerteErwägung. Es werden und sind bereits so bedeutendedeutsche Kapitalien in den verschiedenen kolonialenUnternehmungen engagiert, daß es zu erheblichen
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