Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
Seite
142
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Verlusten und einer nicht ungerechtfertigten Ver-stimmung unserer Finanz führen müßte, wenn alle ihreAufwendungen und Arbeiten sich eines Tages als ver-geblich herausstellen sollten. Es wäre dann dieweitere Frage, welche Stellen beziehungsweise welchePersonen für diese Verluste verantwortlich oder sogarersatzpflichtig sein würden. Denn es kann wohlkeinem Zweifel unterliegen, daß die Finanz nur da-durch zu ihrem Vorgehen ermutigt worden ist, daß ihrdie Annahme beigebracht wurde, als sei an dem Zu-standekommen des Staatsvertrages mit England über-haupt nicht zu zweifeln.

Weit wichtiger noch als bezüglich seiner Verwirk-lichung erscheint die Frage der Unterzeichnung des Ab-kommens mit Bezug auf die großen Linien unserer Poli-tik. Mit diesem Abkommen steht Deutsch-land an einem Wendepunkte seines Ge-schickes. Daß es ohne oder gegen England auf dieDauer nicht möglich ist, eine erfolgreiche Weltpolitikzu treiben, hat uns wohl die Erfahrung gelehrt, die wirbei allen überseeischen Unternehmungen, nicht alleinbei der Bagdadbahn und bei der Marokkofrage, ge-sammelt haben. Weit darüber hinaus handelt es sichhier um unser künftiges Verhältnis zu England und umunsere Stellung innerhalb der Mächtegruppen Euro-pas. Nachdem wir mehrere Male so 1901 und 1912 eine uns angebotene nähere Verständigung, even-tuell ein Bündnis mit England ausgeschlagen haben,würde zweifellos die Wirkung eines nochmaligen Zu-rückziehens unseres Vertrauens eine tiefe und nach-haltige Verstimmung jenseits der Nordsee hervor-rufen. England, das von den Ententemächten heiß um-worben wird, würde nicht dauernd widerstehen kön-nen, wenn es einem ihm mißtrauischen und unfreund-lichen Deutschland gegenüberstände. Bis jetzt hat