Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
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handlung der Balkankrisc in so erfreulicher Weise derFall gewesen ist. Es liegt wohl kaum zu viel Opti-mismus in der Erwartung, daß der endgültige Ab-schluß und auch die Veröffentlichung aller unsererVereinbarungen mit England trotz des uns ja mit-geteilten Windsor -Vertrages eine weitgehende Ent-spannung und erfolgreiche Ära unserer Politik ein-leiten würden, deren Rückwirkung im DeutschenReiche in Gestalt eines vermehrten Zutrauens zu denZielen und Methoden der Kaiserlichen Regierung nichtausbleiben würde. Das Abkommen mit Eng-land ist das Beste, was die KaiserlichePolitik soweit sie eine schaffende und erwer-bende sein kann seit den großen Zeiten derGründung des Reiches geleistet hat.

AN DEN REICHSKANZLER VON BETHMANN HOLLWEG

London, 4. 6. 1914

E uer Exzellenz beehre ich mich in Erwiderung desErlasses vom 29. v. Mts. nachstehendes zu melden:Zunächst beruht die Annahme, als ob ich von miraus die Frage der Veröffentlichung bei Mr. Harcourtangeregt hätte, auf einen Irrtum. Wenn diese Frageauch im Laufe der Unterredung, die nach Tische indurchaus zwangloser Weise stattfand, naturgemäß be-rührt werden mußte, so war es doch nicht die Ver-öffentlichung, sondern, wie aus meinem Bericht her-vorgehen dürfte, die Frage der Gültigkeit der neuenVereinbarung, die ich dem Kolonialminister gegen-über berührte. Aus verschiedenen Andeutungen hatteich entnommen, daß sowohl das Foreign Office wiedas Kolonialamt, vorausgesetzt, daß nicht unter-schrieben wird, den alten Vertrag vom Jahre 1898auch fernerhin als Grundlage unserer beiderseitigen

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