Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
Seite
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beiderseitigen Kolonialinteressen in Afrika , undReibungsflächen beseitigt werden, die zwischen denbeiderseitigen Bestrebungen auf kolonialpolitischemGebiet entstehen könnten. Im Gegensatz zu dem altenVertrage, welcher geographisch schwer abgrenzbaresGebiet in Angola feststellte, weist er uns den größtenTeil der gedachten Kolonie mit einer günstig ab-gerundeten Fläche zu. Er übergibt uns ferner diewertvollen Inseln Säo Thome und Principe, welchein dem alten Abkommen überhaupt nicht erwähntwaren, sowie das Stück der Benguellabahn, das bisherder englischen Enklave angehörte.

Bei obigem Anlaß hatte ich berichtet, daß diehiesige Regierung den größten Wert auf das Zustande-kommen des neuen Vertrages legt, teils der Mängelwegen, die der alte auch vom britischen Standpunkteaus enthält, teils aber mit Rücksicht auf die Un-gewißheit, die der heutige Zustand für alle wirtschaft-lichen Bestrebungen schafft. Ich durfte hinzufügen,daß erst kürzlich Mr. Asquith*), als ich ihnauf dem Lande besuchte, an mich die Frage vonsich aus richtete, was nun eigentlich ausunserem Vertrage würde, und der Hoff-nung unzweideutigen Ausdruck verlieh,daß wir zum Abschluß gelangen würden.Den Bedenken, die Eure Exzellenz eine Zeitlanggegen die Veröffentlichung des Windsor-Vertrages ge-hegt hatten, glaubte ich entgegenhalten zu können,daß dieser Vertrag nichts weiter enthalte als eine Be-kräftigung der Rechtslage, welche seit den ZeitenKarls II. vertraglich festgelegt ist. Ich erlaubte mir zubemerken, daß, falls wirklich, was ich nicht für aus-geschlossen halte, von alldeutscher oder anderer Seiteunter Hinweis auf die doppelzüngige Haltung Eng-

*) Damals britischer Premierminister.

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