Flotte viel weniger empfindlich als gerade wegen Kon-stantinopel. Hätte der deutsche General das Korps inAdrianopel erhalten, so würde man sich viel eher be-ruhigt haben. Aber gerade Konstantinopel sei fürRußland die empfindlichste Stelle und die englisch-russische Verständigung sei auf der Grundlage erfolgt,daß Konstantinopel den Türken bleiben solle und keineandere Macht dort einen überwiegenden Einfluß er-halte. Es sei nun schwer für ihn, an dieser für dasbeiderseitige Einvernehmen so wichtigen Verständi-gung zu rütteln und einer anderen Macht indirekt be-hilflich zu sein, dort einen entscheidenden Einfluß zugewinnen.
Ich suchte dem Minister klarzumachen, wie wenigWert die ganze Offiziersendung für uns besitze undwie unwahrscheilich es sei, daß einige Offiziere aufden Gang der auswärtigen Politik in KonstantinopelEinfluß gewännen. Wir hätten uns lediglich aus Ge-fälligkeit und mit Rücksicht auf die Überlieferung dazuverstanden, der türkischen Regierung einige Offizierenamhaft zu machen. Alles übrige sei zwischen ihr undden betreffenden Herren ohne unser Dazutun ab-gemacht worden. Die in Petersburg anscheinend be-stehende Erregung könne ich mir daher nur aus einergewissen Ängstlichkeit der russischen Machthaber ge-genüber den nationalistischen russischen Blättern er-klären.
Die Unterredung fand, wie gesagt, in einer durch-aus verbindlichen und freundschaftlichen Form statt,und hatte ich den Eindruck, daß die ganze Angelegen-heit dem Minister sehr unangenehm war, und daß ernicht recht weiß, wie er sich den, wie er wiederholtbetonte, drängenden und erregten Vorstellungen desPetersburger Kabinetts entziehen soll, ohne seine dor-tige Stellung auf das Spiel zu setzen. Lichnowsky.