Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
Seite
165
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AN DAS AUSWÄRTIGE AMT

London , 23. 12. 1913

S ir E. Grey verreist, zurückkehrt keinesfalls vorFeiertagen. Halte es auch für besser abzuwarten,daß er mit Vorschlägen an mich herantritt, und nichtdurch vorzeitige Ablehnung aller noch ungeborenenProjekte den Anschein der Schroffheit und schlechtenWillens zu erwecken. Er käme auch dadurch in dieLage, unbequeme Anregungen von russischer Seiteunter ausschließlicher Verwertung unserer Haltung zubeantworten.

Da ihm die ganze Sache höchst peinlich ist, schonweil sie geeignet erscheint, das Einvernehmen zwischenden Mächten zu stören, so wird er versuchen, eineLösung zu finden oder aber den Streit allmählich ver-sumpfen zu lassen. Übrigens ist auch Graf Bencken-dorff auf vierzehn Tage nach Neapel gefahren. Vorseiner Abreise sagte er mir, er hoffe, es werde unshier gelingen, irgendeinen Ausweg zu finden, da dieUnterhaltung zwischen Berlin und Petersburg ab-gebrochen sei. Welchen wisse er selbst nicht. KaiserNikolaus fühle sich persönlich verletzt und sei sehrverstimmt. Lichnowsky.

AN DEN REICHSKANZLER VON BETHMANN HOLLWEG

London, 7. 1, 1914

S ir Edward Grey, der gestern hier eintraf und heuteabend wieder abreist, um erst am 19. zurück-zukehren, ließ mich soeben kommen, um mit mir noch-mals die Frage der Konstantinopeler Militärmission zubesprechen. Er sagte mir, die russische Regierung habesich keineswegs beruhigt und werde außerdem von deröffentlichen Meinung zu weiteren Schritten gedrängt.Er, Sir Edward Grey, habe bisher alles getan, um inPetersburg zu mäßigen, und werde auch fortfahren, in