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2 (1927)
Entstehung
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auf richtigeren Weise als an den großen Nachbar jenseitsder Nordsee . Der ruhige und freundliche Ton der letztendeutschen Flottendiskussionen hätte in England sehrangenehm berührt, aber man müsse sich davor hüten,den deutschen Erklärungen einen Sinn zu unter-schieben, den sie nicht hätten. Man dürfe auch nichtdanach trachten, die deutsche Flottenpolitik durcheine zu wörtliche Auslegung freundschaftlicher Redenim Reichstage an englische Wünsche zu ketten. Mankönnte zum Beispiel sagen, Admiral von Tirpitz habesich mit einer englischen Überlegenheit von 16:10Dreadnoughts einverstanden erklärt, und da dies Ver-hältnis zurzeit etwa stimme, dürfe Deutschland keineSchiffe mehr bauen. Dies wäre vielleicht logisch, aberwürde sicherlich viel Unheil anrichten, und wenn manauf diplomatischem Wege versuchen würde, Deutsch-land zu veranlassen, in diesem Jahre keine Schiffe zubauen, so würde dies sicherlich zu einer Ablehnungund gegenseitigen Vorwürfen führen. Englands Flotten-politik gegenüber Deutschland beruhe auf Stärke,Offenheit und Klarheit. Beide Nationen müßten freieHand haben, ihre Flotten auszubauen, wie sie es fürnötig hielten. Deutschland habe schon seit langemsein Programm immer für eine Reihe von Jahren imvoraus festgelegt. England sei jetzt auch dazu über-gegangen, soweit es möglich im voraus zu erklären,welcher Einfluß durch das deutsche Programm auf dieenglische Bautätigkeit ausgeübt würde. Hierdurchwürden gefährliche Bestrebungen und Beklemmungenausgeschaltet. Es hätte sich nichts ereignet, weshalbdas englische, auf verhältnismäßiger Stärke beruhendeProgramm geändert werden müßte. Da für die näch-sten sechs Jahre in Deutschland zwei Schiffe mehrgebaut würden, sehe sich England gezwungen, für die-selbe Zeit vier Schiffe mehr zu bauen. Für jedes

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