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2 (1927)
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teidigen, ohne dabei etwas wesentlich Neues zusagen. Mr. Churchill erklärte, sein Vorschlag einereinjährigen Unterbrechung im Flottenbau sei von ihmvollständig ernst gemeint gewesen, und er sei hierzuauch keineswegs durch die Überlastung der englischenWerften veranlaßt worden. Mr. Winston Churchill widerlegte dann im einzelnen die Behauptung desLord Charles Beresford , daß die englische Marinenicht über ein genügendes Personal verfüge, um dieSchiffe vollzählig zu bemannen. Er suchte ferner ineiner längeren Ausführung zu beweisen, daß für dienächsten Jahre die Überlegenheit der englischen überdie deutsche Flotte um 60 Prozent reichlich aufrechterhalten werden würde. Lichnowsky.

AN DEN REICHSKANZLER VON BETHMANN HOLLWEG

London , 30. 4. 1913

M r. Winston Churchill , mit dem ich bei einemDiner zu Ehren der Majestäten bei Lord Granardzusammentraf, benutzte die Gelegenheit, um mit mirüber die Flottenfrage zu sprechen. Mit dem navalholiday sei es ihm vollkommen ernst, und er halteden Gedanken für zweifellos durchführbar. Auchwolle er versuchen, die übrigen Seemächte ebenfallsdafür zu gewinnen. Die Rüstungen seien allmählichzu groß und zu kostspielig geworden, und kein Staatkönne auf die Dauer das angestrengte Wettbauen er-tragen. Ein großer moderner Panzer koste bereits3 000 000 Pfund Sterling. Es wäre besser, das Geld aufnützlichere Dinge zu verwenden. Unsere Flotte bildeaußerdem den einzigen Grund, der einem wirklich in-timen Einvernehmen zwischen den beiden Ländernim Wege stehe. Denn durch das Entstehen unsererSeemacht sei eine Art zweites Elsaß-Lothringen ge-

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