tagsblatt „Observer“ eine Betrachtung, die vor allemdurch ihre Mäßigung auffällt und als neuer Beweisdafür angesehen werden kann, wie groß die Disziplinder englischen Presse in wichtigen Momenten ist. Dersonst durch seine Heftigkeit bekannte Journalist führtaus, England und Frankreich würden diese Woche ihreFreundschaft erneuern. Nach einem kurzen Rückblickauf die Wirkungen des Einverständnisses auf die euro-päische Politik, bei dem er die Erleichterung der Lagein Ägypten und die gebesserte Stimmung zwischenfranzösischen und englischen Kanadiern hervorhebt,betont er, daß die bestehende Freundschaft zwischenbeiden Ländern keines daran hindere, freundschaft-liche Annäherung an dritte Länder zu suchen. Höheraber als alle politischen Ergebnisse des Einver-nehmens müsse man die kulturellen Resultate stellen,die dem Geiste beider Völker gestattet hätten, sichgegenseitig zu durchdringen und anzuregen.
Der Brief Professor Lavisses war übrigens,wie ich vertraulich höre, von einer Gruppe franzö-sischer Politiker als große Aktion gedacht und sorg-fältig vorbereitet worden. Auszüge davon befandensich schon vier Wochen vor der Veröffentlichung inden Händen englischer Journalisten. Daß der Brief inamtlichen Kreisen nicht günstig aufgenommen wurde,wird mir von verschiedenen Seiten bestätigt. SirW. Tyrrell äußerte einem zuverlässigen Gewährs-manne gegenüber, es entspreche nicht dem Wesender Freundschaft, vor einem Besuche die Vorteileöffentlich zu erörtern, welche die Freunde gegen-seitig von ihrem Verhältnisse hätten. Fingen Freundeerst einmal an, sich gegenseitig vorzurechnen, welchenVorteil ihnen das Verhältnis bringe, so sei es um dieFreundschaft schlimm bestellt. Lichnowsky.