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2 (1927)
Entstehung
Seite
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gewillt noch in der Lage sei, einer Angriffspolitik desFreundes die Hand zu bieten. Auf der anderen Seitewird aber Frankreich Unterstützung gegen einen un-gerechtfertigten Angriff von dritter Seite in Aussichtgestellt. Die Aufrechterhaltung des Gleichgewichtsund des status quo auf dem Kontinent erscheint er-neut als das Hauptziel der englischen Kontinental-politik, Aus der Abneigung Englands , in kontinentaleHändel hineingezogen zu werden, wird kein Hehl ge-macht.

Vielfach wird betont, daß die Entente keine Spitzegegen irgendeine andere Macht habe, daß sie durchausnicht ausschließlich sei und die Ententegenossen nichthindere, mit dritten Mächten in nähere Beziehungenzu treten.

Der Gesamteindruck, den die Presseartikel er-wecken, ist der freundschaftlicher Wärme, die jedochvon einer gewissen Zurückhaltung nicht frei ist; vonBegeisterung kann nicht die Rede sein.

Ich gestatte mir, dabei insbesondere auf die be-merkenswerten Äußerungen der der Regierung nahe-stehendenWestminster Gazette" hinzuweisen.

Das Blatt bedauert die früher aus dem englisch-französischen Freundschaftsverhältnis erwachsenenUnstimmigkeiten mit Deutschland und betont, die eng-lischen Väter der Entente hätten diese niemals alseinen Sprung in die europäische Kontinentalpolitikaufgefaßt und täten dies auch jetzt nicht. In jüngsterZeit hätte sich Gelegenheit geboten zu zeigen, daß dieenglisch -französische Freundschaft durchaus mit einerfreundlichen Haltung Englands gegenüber Deutsch-land vereinbar sei. England werde seinen Freundenund Nachbarn den größten Dienst erweisen, indem eskeinen Zweifel darüber lasse, daß seine Macht undsein Einfluß dazu benutzt werden würde, Angriffen

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