das, wie ich wiederholt dargelegt habe, im wesent-lichen in der britischen Zusicherung besteht, die Fran-zosen , falls sie angegriffen werden sollten, zu schützen,ist hiernach überhaupt nicht angeregt, und der Ab-schluß eines eigentlichen Bündnisses gar nicht zurSprache gekommen. Herr Doumergue , der auf diebritischen Herren einen sehr vorteilhaften Eindruckmachte, soll sich darauf beschränkt haben, auf dasbestimmteste zu betonen, daß Frankreich jedem Ge-danken an auswärtige Abenteuer abhold sei und sichum so mehr dem inneren Ausbau widmen wolle.
Auch Herr Clemenceau hat sich in ähnlichemSinne geäußert. Er soll dem britischen Minister gesagthaben, er sei nunmehr ganz mit der Entente aus-gesöhnt, da er von England die Vermittlung zwischenFrankreich und Deutschland erwarte, um ein ver-trauensvolles Verhältnis herbeizuführen, das eine Ein-schränkung der Rüstungen ermögliche.
Alle Treibereien, die auf ein Bündnis hinzielen,werden hier Herrn Iswolsky*) zugeschoben, der gerneine große Rolle spielen möchte und von Eitelkeit er-füllt sei.
Alles in allem ist die hiesige Regierung mit demjetzigen Pariser Kabinett sehr einverstanden und hofft,daß es sich recht lange am Ruder erhalten wird.
Lichnowsky.
AN DEN REICHSKANZLER VON BETHMANN HOLLWEG
S owohl Mr. Asquith als auch Sir Edward Grey haben wiederholt und zuletzt am 25. bezw. 28.v. Mts. erklärt, daß keine geheimen Verträge oderAbmachungen bestehen, welche der britischen Re-
*) Russischer Botschafter in Paris , ehemaliger Minister desÄußeren.
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