wenig dem britischen Interesse wie das Übergewichteiner Gruppe. Die zunehmende Erstarkung unsererFlotte hat das Bedürfnis, die französisch-russischeGruppe zu stützen, nicht gezeitigt, wohl aber ge-fördert, da sie ebenso wie etwa die Abnahme derfranzösischen Bevölkerung oder die Niederlagen Ruß-lands in Ostasien eine Verschiebung der kontinentalenMachtverhältnisse zu unseren Gunsten und zu Un-gunsten der französisch-russischen Gruppe in sichschloß. Wie die meisten Fragen auch in der Politiknicht nur eine, sondern mehrere Seiten haben, so hatwohl ohne Zweifel die Entwicklung unserer Seemachtsowohl den Wunsch, mit uns in Frieden zu leben, inEngland gefördert als auch die Erkenntnis begünstigt,daß es im englischen Interesse läge, die uns gegne-rische Gruppe zu stützen. Es liegt daher auf der Hand,daß jede weitere Schwächung Frankreichs , namentlichaber eine Niederlage auf dem Schlachtfelde, die unsaußerdem von der Notwendigkeit umfangreicherRüstungen zu Lande für die Zukunft befreien und dieMöglichkeit noch größerer Ausgaben für die Seemachtschaffen könnte, nicht im britischen Interesse liegt.
Bald nach meiner Ankunft in London , zur Zeit,als die Entwicklung des Balkankrieges die Gefahreines europäischen Krieges gewärtigen ließ, suchtemich Lord Haldane auf, wie ich am 3. Dezember 1912zu berichten die Ehre hatte (1130), und machte michauf die Folgen aufmerksam, die ein europäischer Kriegfür England haben könnte. Aus seinen Worten gingdeutlich hervor, daß England sich alsdann genötigtsehen könnte, Frankreich zu schützen, trotzdem hierder lebhafte Wunsch bestehe, mit uns dauernd infreundschaftlichen Beziehungen zu bleiben. Es unter-liegt für mich keinem Zweifel, daß er im Aufträge undim Einverständnis Sir Edward Greys gehandelt hat,
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