überzeugt, daß die öffentliche Meinung dort sich nichtfür Österreichs Vorgehen begeistern wird, und erkennealle ihre Argumente in dieser Hinsicht als richtig an.Aber man muß tun, was irgend möglich ist, daß siesich nicht zu sehr für Serbien begeistert, denn vonSympathie und Antipathie bis zur Entfachung einesWeltbrandes ist doch noch ein weiter Weg. Sir Greyspricht immer von dem Gleichgewicht, das durch diebeiden Mächtegruppen hergestellt wird. Er muß sichdaher auch klar darüber sein, daß dieses Gleich-gewicht total in die Brüche ginge, wenn Österreich von uns lächiert und von Rußland zertrümmert würde,und daß das Gleichgewicht auch durch einen Weltbranderheblich ins Wanken gebracht würde. Er muß daher,wenn er logisch und ehrlich ist, uns beistehen, denKonflikt zu lokalisieren. Doch nun satis superque,es ist 1 Uhr nachts geworden. Wenn diese Aus-führungen über unsere Politik Sie vielleicht auchnicht überzeugt haben mögen, so weiß ich doch, daßSie letztere unterstützen werden.
Mit besten Grüßen aufrichtigst der Ihre! Jagow.den 19, Juli.
Eben erhalte ich Ihren Brief vom 17. Die Haupt-sache ist durch obiges beantwortet. Der Urlaub zu-nächst eine cura posterior, wegen Kolonialabkommenantworte ich demnächst. J.
AN DEN REICHSKANZLER VON BETHMANN HOLLWEG
D ie heutige „WestminsterGazette" bringt den bei-liegenden Leitartikel über die europäische Lage,der sich durch die ruhige und sachliche Erörterungdes österreichisch-serbischen Gegensatzes auszeich-net. Bei den freundschaftlichen Beziehungen zwischen
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