dem Herausgeber Mr. Spender und Sir Edward Grey liegt die Annahme nicht fern, daß die Ansichten desMinisters dabei nicht ohne Einfluß gewesen sind, unddaß meine wiederholten Besprechungen mit ihm dazubeigetragen haben, das Recht Österreichs aufGenugtuung zu berücksichtigen. AberauchdieseregierungsfreundlicheStimmespricht die bestimmte Erwartung aus, daßdie „ultima ratio“ vermieden werde.
Lichnowsky.
AN DAS AUSWÄRTIGE AMT London , 20. 7. 1914
G raf Benckendorff, mit dem ich gestern dasweekend bei Lord Lansdowne verbrachte, sagtemir, er könne mich versichern, daß seine mir neulichmitgeteilten Ansichten über unser Verhältnis zu Ruß-land vollkommen den Auffassungen des Herrn Saso-now entsprächen. Man empfinde es sogar als eineUnbequemlichkeit, daß gerade jetzt der Besuch desHerrn Poincarö erfolge, habe ihm aber nicht ab-wink en können. In Rußland denke niemand an Krieg,die Rüstungen seien lediglich eine Folge aller übrigenund der gebesserten Finanzen. Es sei daher sehr be-dauerlich, daß Mißstimmungen, die völlig unberech-tigt seien, und wohl nur auf Klatsch und falschenNachrichten beruhten, entstehen könnten. Eine offeneAussprache würde wohl am ehesten zum Ziel führen.In Belgrad werde nach Möglichkeit abgewiegelt.
Lichnowsky.
AN DAS AUSWÄRTIGE AMT London , 20. 7. 1914
B ei meinem heutigen Besuch entnahm ich den Äuße-rungen Sir E. Greys, daß er den österreichisch-serbischen Zwist vorläufig noch optimistisch be-urteilt und an eine friedliche Lösung der Frage glaube.
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