Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
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Er sagte, er habe keine Nachrichten erhalten, die aufdas Gegenteil hindeuteten. Ich wiederholte bei dieserGelegenheit, daß ich überzeugt sei, Graf Berchtoldwerde nach genauer Untersuchung aller Vorgänge undan der Hand überzeugenden Materials sich genötigtsehen, Genugtuung von Serbien zu verlangen undBürgschaft für die Zukunft, und daß ich hoffte, eswerde dem Einfluß Rußlands und Englands gelingen,Serbien zur Erfüllung dieser berechtigten Forderun-gen zu veranlassen. Er entgegnete, daß alles daraufankomme, welche Form von Genugtuung verlangtwerde, und ob dies mit Mäßigung geschehe, nament-lich aber auch, ob die gegen Serbien erhobenen Kla-gen auf beweiskräftiger Grundlage geltend gemachtwürden. Auf diese Weise hoffe er, daß der Streit sichwerde beilegen und begrenzen lassen, denn der Ge-danke an einen Krieg zwischen europäischen Groß-mächten müsse unter allen Umständen zurückgewie-sen werden.

Der Minister hat übrigens in Wien erklären lassen,daß der neuliche Artikel in derWestminster Ga-zette", über den ich berichtet habe, nicht von ihmveranlaßt worden sei, da er in Erfahrung gebracht,daß man ihn dort als Ermutigung zum Losschlagenauffasse. Lichnowsky.

AN DAS AUSWÄRTIGE AMT London , 22. 7. 1914

S ir Edward Grey wird, wie ich vertraulich erfahre,dem Grafen Mensdorff morgen erklären, die bri-tische Regierung werde sich bemühen, ihren Einflußdahin zur Geltung zu bringen, daß die österreichisch-ungarischen Forderungen, falls sie gemäßigt seien undsich mit der Selbständigkeit des serbischen Staatesvereinbaren ließen, von der serbischen Regierung an-genommen würden. Lichnowsky.

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