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2 (1927)
Entstehung
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handele, ginge ihn, Sir E. Grey, die Sache nichts an,anders würde die Frage aber, wenn die öffentlicheMeinung in Rußland die Regierung zwinge, gegenÖsterreich vorzugehen.

Auf meine Bemerkung, daß man die Balkanvölkernicht mit demselben Maßstabe messen dürfe wieeuropäische Kulturvölker, und daß man daher ihnengegenüber, das habe schon die barbarische Art ihrerKriegführung gezeigt, eine andere Sprache führenmüsse, wie etwa gegen Briten und Deutsche , entgegneteder Minister, daß, wenn auch er diese Auffassung viel-leicht teilen könne, er doch nicht glaube, daß sie inRußland geteilt werde. Die Gefahreines euro-päischen Krieges sei, falls Österreich serbischen Boden betrete, in nächsteNähe gerückt. Die Folgen eines solchen Kriegeszu vier, er betonte ausdrücklich die Zahl vier, undmeinte damit Rußland, Österreich-Ungarn, Deutsch-land und Frankreich, seien vollkommen unabsehbar.Wie auch immer die Sache verlaufe, eines sei sicher,daß nämlich eine gänzliche Erschöpfung und Ver-armung Platz greife, Industrie und Handel vernichtetund die Kapitalkraft zerstört würde, RevolutionäreBewegungen wie im Jahre 1848 infolge der darnieder-liegenden Erwerbstätigkeit würden die Folge sein.Was Sir E. Grey am meisten beklagt, neben dem Tonder Note, ist die kurze Befristung, die den Krieg bei-nahe unvermeidlich mache. Er sagte mir, erwürde bereit sein, mit uns zusammen imSinne einer Fristverlängerung in Wien vorstellig zu werden, da sich dann viel-leicht ein Ausweg finden lasse. Er batmich, diesen Vorschlag Eurer Exzellenzzu übermitteln. Fernerregte eran, daßfürden Fall einer gefährlichen Spannung

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