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2 (1927)
Entstehung
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toairr.

bestenfalls einen zweiten Nachbarn zum unver-söhnlichen Feind gemacht hätten.

Ich möchte aber nicht dahin verstanden werden,als ob ich etwa für eine Preisgabe Österreichs etwazugunsten einer russischen oder gar einer englischenFreundschaft eintreten wollte. Die Erhaltung Öster-reichs ist uns von größter Wichtigkeit, nur müssenwir bei dem Bündnis der leitende, nicht aber derleidende Teil sein. Das Bündnis war doch als einegegenseitige Versicherung gedacht gegen politischeWetterschäden, nicht aber als ein Zusammenschluß zueiner gemeinsamen politischen Firma. Wir müssenÖsterreich zwar schützen, es liegt aber nicht inunserem Interesse, es bei einer aktiven Balkanpolitikzu unterstützen, bei der wir alles zu verlierenund absolut nichts zu gewinnen haben.Welche Vorteile versprechen Sie sich denn für unsdavon, daß das österreichische Ansehen auf demBalkan und sonstwo gestärkt werde? ÖsterreichsBundeswert beruht doch vor allem auf seiner mili-tärischen Leistungsfähigkeit, nicht aber auf seinemauswärtigen Prestige, und unsere Machtstellung istgroß genug, um der Dreibundgruppe auch trotz derdiplomatischen Niederlagen des Grafen Berchtold Ein-fluß zu verschaffen. Was würden Sie dazu sagen,wenn England oder Rußland die Franzosen zurWiederbelebung ihres doch tatsächlich sehr ge-sunkenen Ansehens zu einer aktiven und gefährlichenAuslandspolitik ermutigte? Gerade die verhältnis-mäßige Schwäche Frankreichs und die Angst vor unssind die Faktoren, die es veranlassen, sich an England und Rußland anzuschmiegen und sich willfährig zu er-weisen. Ähnlich ist es mit Österreich; ich will nichtsagen das geschwächte, wohl aber das geängstigteÖsterreich ist für uns ein bequemer Bundesgenosse,

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