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2 (1927)
Entstehung
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erblicke hierin die einzige Möglichkeit,einen Weltkrieg zu vermeiden, bei demfür uns alles auf dem Spiele steht undnichts zu gewinnen ist. Ablehnen wir, so wirdauch Grey sich nicht mehr rühren, Solange wir nochnicht mobilisiert, ist die Vermittlung immer noch mög-lich und eine Beilegung des Streites, die für Öster-reich annehmbar ist. Unsere Ablehnung aber würdehier sehr verstimmen, und ich glaube nicht, daß, fallsFrankreich hineingezogen wird, England gleichgültigbleiben dürfte. Ich rate noch einmal dringend dazu,den englischen Vorschlag anzunehmen und dies in Wien und Petersburg bekanntzugeben.

AN DAS AUSWÄRTIGE AMT

abe soeben Sir E. Grey gesehen und Inhalt Tele-gramms Nr, 169 verwertet. Der Minister nahmmeine Erklärungen mit vollem Verständnis für unserenStandpunkt entgegen. Ohne jede Gereiztheit oderVerstimmung und mit großer Ruhe besprach er mitmir abermals die gesamte Lage und schien wiederhoffnungvoller zu sein als gestern, da Graf Mensdorffihm im Aufträge seiner Regierung mitgeteilt hat, daßÖsterreich nach Ablehnung seiner Forderungen zu-nächst nicht beabsichtige, die serbische Grenze zuüberschreiten, sondern nur zu mobilisieren. Sir E.Grey ist vorläufig noch ohne Nachricht über die inPetersburg gefaßten Beschlüsse, rechnet aber mitBestimmtheit darauf, daß der österreichischen Mobili-sierung die russische folgen werde. Alsdann sei seinerAnsicht nach der Augenblick gekommen, um im Ver-ein mit uns, Frankreich und Italien eine Vermittlungzwischen Österreich und Rußland eintreten zu lassen.Ohne unsere Mitwirkung, meinte er, sei jede Vermitt-

Lichnowsky.London , 25. 7. 1914

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