AN DAS AUSWÄRTIGE AMT
I m Anschluß an Telegramm Nr. 156. — Anlagezum Brief Sir Edward Greys: „Telegramm von Hr.Crackanthorpe, Belgrad , 25. Juli 1914. Der Minister-rat entwirft jetzt die Anwort auf die österreichischeNote. Ich erfahre vom Unterstaatssekretär des Aus-wärtigen, daß sie in versöhnlicher Form gehalten seinund soweit als möglich den österreichischen Forde-rungen entgegenkommen wird. Der Unterstaats-sekretär gab mir im voraus eine kurze Inhaltsangabeder beabsichtigten Erwiderung. Die serbische Re-gierung stimmt darin der Veröffentlichung einer Er-klärung in ihrem offiziellen Organ zu und nimmt diezehn Punkte unter Vorbehalten an. Sie stimmt derEntlassung und gerichtlichen Verfolgung der Beamtenzu, deren Schuld klar nachgewiesen werden kann, undsie hat schon den in der österreichischen Note be-zeichneten Offizier verhaften lassen. Sie erklärt sichbereit, eine gemischte Untersuchungskommission zu-zugestehen, vorausgesetzt, daß nachgewiesen werdenkann, daß die Einsetzung einer solchen Kommissionmit dem internationalen Brauch in Übereinstimmungsteht. Lichnowsky .
DER REICHSKANZLER VON BETHMANN HOLLWEG AN DENBOTSCHAFTER IN LONDON , FÜRSTEN VON LICHNOWSKY
Berlin, 26. 7. 1914
Ö sterreich hat Rußland offiziell erklärt, daß eskeinen territorialen Gewinn in Serbien beab-sichtigte und seinerseits Bestand des Königreichsnicht antasten, sondern nur Ruhe schaffen wolle. Nachhier von vertrauenswürdiger Seite eingelangten, aller-dings noch nicht verbürgten Nachrichten steht in Ruß-land Einberufung mehrerer Reservistenjahrgänge un-
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