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2 (1927)
Entstehung
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beiden abermals gelänge, durch unseren beiderseitigenEinfluß auf unsere Verbündeten den Frieden Europas gesichert zu haben.

Ich fand den Minister zum ersten Male verstimmt.Er sprach mit großem Ernst und schien von uns aufdas Bestimmteste zu erwarten, daß es unserem Ein-fluß gelingen möge, die Frage beizulegen. Er wird auchheute ein statement im House of Commons machen,worin er seinen Standpunkt zum Ausdruck bringt. Aufjeden Fall bin ich der Überzeugung, daß, falls es jetztdoch noch zum Kriege käme, wir mit den englischenSympathien und der britischen Unterstützung nichtmehr zu rechnen hätten, da man in dem VorgehenÖsterreichs alle Zeichen üblen Willens erblickenwürde. Auch ist hier alle Welt davon überzeugt, und ichhöre es auch aus dem Munde meiner Kollegen, daßder Schlüssel der Lage in Berlin liegt, und falls mandort den Flieden ernstlich will, Österreich davon ab-zuhalten sein wird, eine, wie Sir E. Grey sich aus-drückt, tollkühne Politik zu treiben.

Lichnowsky.

AN DAS AUSWÄRTIGE AMT London , 27. 7. 1914

I m Anschluß an mein heutiges Telegramm möchteich hervorheben, daß von dem Erfolge diesesSchrittes Sir Edward Greys unsere ge-samten zukünftigen Beziehungen zu Eng-land abhängen. Gelingt es dem Minister in diesembedeutsamen Augenblick, in dem zweiffellos trotz allerinnerer Spaltungen die gesamte britische Nationhinter ihm steht, durch unser Eingehen auf seinBitten eine weitere Zuspitzung der Lage zu ver-hindern, so stehe ich dafür ein, daß unsereBeziehungen zu Großbritannien auf un-absehbare Zeit den vertrauensvollen und

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