intimen Charakter tragen werden, der sieseit anderthalb Jahren kennzeichnet. Diebritische Regierung, ob liberal oder konservativ,sieht in der Erhaltung des europäischen Friedens aufGrundlage des Gleichgewichts der Gruppen ihr vor-nehmstes Interesse, und die Überzeugung, daß es ledig-lich von uns abhängt, ob Österreich durch eine hart-näckige Prestigepolitik den europäischen Frieden ge-fährdet, bringt es mit sich, daß jede entgegenkommendeHaltung Österreichs als ein Beweis unseres auf-richtigen Wunsches, mit Großbritannien vereint eineneuropäischen Krieg zu verhindern, zugunsten unsererFreundschaft mit England und unserer Friedensliebegedeutet werden wird.
Sollten wir hingegen unsere Sympathien für Öster-reich und der Korrektheit unserer Bundesverpflich-tungen eine so weitgehende Auffassung zugrundelegen, daß alle übrigen Gesichtspunkte dagegen zurück-treten, und sogar den wichtigsten Punkt unsererAuslandspolitik — unser Verhältnis zu England — denSonderinteressen unseres Bundesgenossen unterordnen,so glaube ich, daß es niemals mehr möglich sein wird,diejenigen Fäden wieder anzuknüpfen, welche in derletzten Zeit uns verbunden haben.
Der Eindruck greift hier immer mehr Platz, unddas habe ich aus meiner Unterredung mit Sir EdwardGrey deutlich entnommen, daß die ganze serbischeFrage sich auf eine Kraftprobe zwischerf Dreibundund Dreiverband zuspitzt. Sollte daher die AbsichtÖsterreichs , den gegenwärtigen Anlaß zu benutzen,um Serbien niederzuwerfen (to crush Servia, wie SirE. Grey sich ausdrückte), immer offenkundiger in Er-scheinung treten, so wird England , dessen binichgewiß, sichunbedingt auf SeiteFrank-reichs und Rußlands stellen, um zu zeigen,
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