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2 (1927)
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daß es nicht gewillt ist, eine moralische oder gar mili-tärische Niederlage seiner Gruppe zu dulden.K ommt es unter diesen Umständen zumKrieg, so werden wir England gegen unshaben. Denn die Empfindung, daß der Krieg an-gesichts des weitgehenden Entgegenkommens derserbischen Regierung sich hätte vermeiden lassen,wird für die Haltung der britischen Regierung vonausschlaggebender Bedeutung sein. Lichnowsky

AN DAS AUSWÄRTIGE AMT London, 27. 7. 1914

lerdings unterscheidet der Minister scharf zwi-

jfjL sehen österreichisch-serbischen und österreichisch-russischem Konflikt, d. h. er wollte sich in den öster-reichisch - serbischen solange nicht einmischen, alsaus demselben sich nicht ein österreichisch-russischerentwickelt hatte. Solange es ein österreichisch-serbi-scher bliebe, hielte er sich zurück. Jetzt aber siehter sich genötigt einzugreifen, da daraus ein öster-reichisch-russischer und somit ein europäischer zuwerden droht. Der österreichisch-russische läßt sichdemnach vom österreichisch-serbischen gar nichttrennen, da ersterer auf letzterem beruht, und indiesem Sinne sprach auch der Minister mit mir. EineVerständigung zwischen Österreich und Rußland be-ruht auf Beilegung des österreichisch-serbischenZwistes. Ohne diese Beilegung erscheint nach hiesigerAuffassung jeder Vermittlungsversuch ganz aussichts-los. Wie soll ich für Lokalisierung des Konflikts ein-treten, wenn hier niemand daran zweifelt, daß durchdas Vorgehen Österreich-Ungarns ernste russische Interessen auf dem Spiele stehen, und daß Rußland sich, falls von uns aus kein Druck auf Österreich aus-geübt wird, selbst gegen seinen Wunsch zum Ein-

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