schreiten genötigt sehen wird? Ich errege damit nurHeiterkeit und Achselzucken.
Sollte sich Einigung zwischen Wien und Peters-burg auf Grundlage der österreichischen Note er-zielen lassen unter Vermeidung militärischer Maß-nahmen gegen Serbien , so wäre alles erreicht, wasSir E. Grey erstrebt. Was er vermeiden möchte, istÖsterreichs Waffengang gegen Serbien , weil er vondiesem Störung europäischen Friedens befürchtet.
Er bestätigt mir übrigens heute, daß keine russi-sche Einberufung der Reserven stattfinde.
Lichnowsky.
AN DAS AUSWÄRTIGE AMT London , 28. 7. 1914
D ie Mitglieder der hiesigen österreichischen Bot-schaft, einschließlich des Grafen Mensdorff, habenin ihren Gesprächen mit den Mitgliedern der Botschaftund mit mir nie das geringste Hehl daraus gemacht,daß es Österreich lediglich auf Niederwerfung Ser-biens ankomme, und daß die Note absichtlich so ge-faßt wurde, daß sie abgelehnt werden mußte. Als dieNachricht am Sonnabendabend hier von der „CentralNews“ verbreitet wurde, Serbien habe nachgegeben,waren die genannten Herren geradezu nieder-geschmettert. Graf Mensdorff sagte mir gestern nochvertraulich, man wolle in Wien unbedingt den Krieg,da Serbien „niedergebegelt“ werden solle. Auch er-zählten die genannten Herren, man beabsichtige, Teilevon Serbien an Bulgarien (und vermutlich auch anAlbanien ) zu verschenken. Ich möchte aber dringendbitten, diese Äußerungen nicht in Wien zu verwerten,da ich meine freundschaftlichen Beziehungen zu GrafMensdorff nicht aufs Spiel setzen will. Ob die Herrensich auch anderen Personen gegenüber in ihren Ge-sprächen ähnlich äußerten, weiß ich nicht, die An-
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