nähme dürfte aber nicht unberechtigt sein, daß es sichnicht bloß um so harmlose, pädagogische Monitahandeln sollte, zu denen die mangelhafte Vigilanz despolnischen Schwätzers Bilinski den Anstoß gab.
Ich bin hier stets energisch für den österreichischenStandpunkt eingetreten und habe den Herren Sir E.Grey und Sir W. Tyrrell auseinandergesetzt, daßschon der Selbsterhaltungstrieb den Grafen Berchtoldveranlassen müßte, eine aktive Tätigkeit zu entfalten,da er und Österreich sonst in eine unhaltbare Stellunggerieten. Das haben sie auch eingesehen, und ichglaube, daß die bisherige objektive Haltung der hiesi-gen Regierung nicht zum geringsten Teil auf unserenvertrauensvollen Beziehungen beruht.
Lichnowsky.
AN DAS AUSWÄRTIGE AMT London , 29. 7. 1914
B ei meinem heutigen Besuch auf dem ForeignOffice hatte ich eine kurze Unterredung mit SirW. Tyrrell, der nach Sir E. Grey heute zweifellosdie einflußreichste und unterrichtetste Persönlichkeitdort ist. Er gab mir wiederum zu verstehen, daß nachihren Nachrichten der Dreibund die Probe eines Welt-kriegs nicht bestehen würde. Er wisse, daß Italien sich an einem wegen Serbien ausgebrochenen Welt-krieg nicht beteiligen würde, und wir sollten uns durchanderslautende amtliche Nachrichten nicht täuschenlassen. Ich vermute, daß diese Auffassung auf der Be-richterstattung Sir Renel Rodds beruht, und ich hattenicht den Eindruck, daß Sir W. Tyrrell sie erfundenhat, um uns einzuschüchtern.
Lichnowsky.
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