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2 (1927)
Entstehung
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275
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AN DAS AUSWÄRTIGE AMT

London , 29. 7. 1914

H abe soeben mit Sir E. Grey gesprochen, der dieLage überaus ernst beurteilt. Den unangenehmstenEindruck hat auf ihn ein gestriges Telegramm SirMaurice de Bunsens gemacht, wonach Graf Berchtold Vorschlag Sasonows, Graf Szäpäry zu ermächtigen,mit ihm in Besprechungen des serbisch - österreichi-schen Streits einzugehen, unbedingt abgelehnt habe.Minister betrachtet auch heutigen direkten Gedanken-austausch zwischen Wien und Petersburg für dengangbarsten Weg, fragte mich aber, was geschehensoll, wenn, wie es nach dem Wiener Telegramm denAnschein habe, die Besprechungen zusammenbrechen.Ob wir alsdann in der Lage seien, irgendeinen Vor-schlag zu machen? Er habe die Konferenz der hiesigenBotschafter angeregt, die uns nicht als gangbar er-scheine, wir hätten die Vermittlung zu vieren aberangenommen, und er würde froh sein, wenn wir in derLage wären, irgendeinen Vorschlag zu machen. Ichsagte, wir betrachten den österreichisch-serbischenZwist als eine Angelegenheit, in die wir uns nichthineinmischen wollten, wir könnten auch Österreich keine Demütigungen zumuten. Österreich tue nur das,was es tun müsse, um an seiner Grenze Ruhe undOrdnung zu schaffen. Das sei auch gleichzeitig einInteresese des europäischen Friedens. Auch beab-sichtige Österreich keinen territorialen Erwerb,sondern nur die Herstellung erträglichen Zustandes.

Er entgegnete, er begreife vollkommen, daß Öster-reich nicht gedemütigt werden dürfe, davon könnenicht die Rede sein. Er hoffe, daß sich ein Auswegfinden lasse, der es Österreich ermögliche, volle Ge-nugtuung zu bekommen, ohne daß es Rußland zumute,ruhig zuzusehen, bis Österreich an das äußersteEnde seiner kriegerischen Unternehmungen gelangt

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